Praktische Einblicke: aula am SFZ Amberg

/ Juni 8, 2021/ Allgemein/ 0Kommentare

Am 20. Mai 2021 fand die Tagung „Schule der Demokratie“, organisiert vom Kreisjugendring Dachau, der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. und dem Geschwister-Scholl-Institut (LMU) statt. In diesem Rahmen haben Ralph Schmitt und Babette Ulrich-Keller (beide vom Sonderpädagogischen Förderzentrum Amberg) Einblicke in ihre praktischen Erfahrungen mit aula gegeben. Die Teilnehmenden haben so aus erster Hand mit Lehrkräften sprechen können, die aula an ihrer Schule seit mittlerweile knapp drei Jahren begleiten. Wir berichten hier über den Austausch.

aula als Impuls für Mitbestimmung

Unmittelbar vor dem ersten Einführungs-Workshop am SFZ Amberg im November 2018 stellte Alexa Schaegner (aula) dem stellvertretenden Schulleiter Ralph Schmitt die Frage, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Was dürfen eure Schülerinnen und Schüler denn eigentlich wirklich mitbestimmen?“ Ralph Schmitt erinnert sich immer wieder an diese Frage und nimmt sie zum Anlass, die aktuellen Möglichkeiten zur Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen zu reflektieren. Über aula hatte er erstmals im Frühjahr 2017 in einem Radiobeitrag des Deutschlandfunk gehört und anschließend direkt Kontakt aufgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine SMV (Schülermitverwaltung), dennoch war aula ein Impuls für Ralph Schmitt und sein Kollegium, den Schüler*innen mehr Mitbestimmung zu ermöglichen. Seitdem arbeiten die Kolleg*innen stetig daran, ihre eigene Haltung zu reflektieren und die Zufriedenheit der Schüler*innen durch Mitbestimmung im Schulalltag zu verbessern.

Die Einführungsworkshops zu aula fanden nach der Abklärung einiger Formalitäten rund eineinhalb Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem aula-Team statt. Innerhalb von drei Monaten wurden Lehrer*innen und Schüler*innen an zwei Workshop-Tagen mit der Plattform und dem Konzept vertraut gemacht. In der Zwischenzeit haben alle Beteiligten einen aula-Vertrag ausgearbeitet.

Aufnahme aus dem aula-Einführungs-Workshop am SFZ Amberg (eigenes Bild)

In der Anfangsphase mit aula waren die Schwierigkeiten vor allem technischer Natur. In der Schule gab es einen Computerraum, von dem auch die Schüler*innen mit aula arbeiten konnten, ansonsten gab es aber keine Endgeräte. Heute ist das anders – die Schule verfügt über viele Tablets.

Im Nachhinein wünscht sich Ralph Schmitt, er hätte zu Beginn mehr Zeit in die aula-Schulung aller Lehrkräfte investiert, sodass es nicht die SMV-Lehrkräfte sind, die die Haupt-Ansprechpersonen sind.

Nachhaltige Veränderung des Demokratiebewusstseins

Nach über zwei Jahren mit aula ziehen Babette Ulrich-Keller und Ralph Schmitt ein sehr positives Feedback: „aula hat deutlich dazu beigetragen, das demokratische Bewusstsein in der Schulkultur zu verankern.“ Das zeigt sich sowohl im Kollegium als auch im Förderverein – hier ist die ganze Schulfamilie an Bord.

Essenziell ist dabei laut Ralph Schmitt die Offenheit für die Ideen der Schüler*innen. Dazu war auch im Kollegium in Amberg ein Umdenken erforderlich. Wichtig sei, die Ideen nicht ausschließlich auf die Umsetzbarkeit zu überprüfen, sondern auch zwischen den Zeilen zu lesen und zu überlegen, welche Gedanken hinter unmöglich scheinenden Ideen stecken. Ein Beispiel: Ein Schüler hat auf der aula-Plattform die Idee veröffentlicht, dass alle Schüler*innen in der Pause das Schulgelände verlassen dürfen. Klar war sofort, dass das nicht umsetzbar ist. Dahinter steckte aber mehr: Der Schüler hatte ein großes Bedürfnis nach Ruhe während der Pause, die er in der Kantine und auch auf dem Pausenhof häufig nicht finden konnte. Babette Ulrich-Keller betont zudem, dass es wichtig sei, die Schüler*innen zwar in der Veröffentlichung oder Formulierung von Ideen zu unterstützen, ihre Ideen aber nicht zu stark zu lenken.

Für die Schüler*innen, die keine Ideen hatten, haben die Lehrer*innen des SFZ Amberg Hilfestellungen entworfen, indem sie ihnen Fragen an die Hand gegeben haben:

Was brauchst du, um dich in der Schule wohler zu fühlen? Was fehlt dir? Was würdest du in der Schule verbessern?

Zur Ausformulierung ihrer Ideen konnten die Schüler*innen auf Formulierungshilfen wie Satzanfänge zurückgreifen:

„Ich hätte gerne …“, „Ich würde gerne …“, etc.

Die ersten Ideen, die es am SFZ Amberg in die Abstimmung geschafft haben:

  • Anschaffung eines Kickers
  • Chill-Lounge für die Oberstufe
  • Anschaffung von Spinden für die Schüler*innen

Damit stets alle über die Veröffentlichung neuer Ideen informiert sind und ihre Unterstützungen vergeben können, hat das SFZ Amberg die „aula-News“ entworfen. An einem zentralen Ort wird auf neu eingestellte Ideen hingewiesen, sodass sie nicht „untergehen“.

So geht es weiter mit aula am SFZ Amberg

Wie an vielen Schulen war auch für das SFZ Amberg die Coronapandemie ein Rückschlag auf dem Weg zur Verstetigung des Beteiligungskonzepts aula. Hier gab es eine Reihe von Herausforderungen, die Vorrang hatten. Dennoch plant das Kollegium bereits die nächsten Schritte. Die Schüler*innen sind mittlerweile – auch dank der Pandemie – besser mit Endgeräten ausgestattet, sodass sie aula bereits jetzt im Klassenzimmer statt nur im Computerraum nutzen können. Dort sollen sie über weitere Themen bestimmen, wobei das Kollegium schon einige Schwerpunkte wie eine Projektwoche oder weitere Anschaffungen vorschlägt.

Für das SFZ Amberg ist außerdem wichtig, dass auch die jüngeren Schüler*innen aula nutzen. Dazu möchten sie ein Patensystem entwickeln. Die älteren und bereits mit aula vertrauten Schüler*innen helfen den jüngeren in festen Partnerschaften dabei, Ideen zu entwickeln. Eine mögliche Umsetzung wäre, dass die jüngeren Schüler*innen, die noch nicht schreiben oder mit Endgeräten umgehen können, ihre Ideen von den älteren veröffentlichen lassen. Ein Workshopteilnehmer hatte daraufhin die Idee, Audiodateien auf aula hochzuladen als Alternative zu schriftlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

Wir sind sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen in Amberg!

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