Beteiligung während Corona – Ressource gegen Kontrollverlust

/ Juli 17, 2020/ Allgemein/ 0Kommentare

Obwohl die Kultusministerien der meisten Länder den Regelbetrieb an Schulen als Ziel für den Herbst formuliert haben, müssen wir in diesem Jahr immer wieder mit Einschränkungen des Präsenzunterrichts rechnen. Sei es aufgrund von lokalen Schulschließungen, längerer Krankheit einzelner Schüler*innen oder gar einer zweiten Corona-Welle – wir brauchen Konzepte, wie Schule hybrid (sowohl in Präsenz als auch digital) funktionieren kann. Einer der Bereiche, die dabei gern hintenüberfallen, ist die Schüler*innenbeteiligung. Wenn Präsenzzeiten knapp und wertvoll sind, ist der Druck größer, die Lehrpläne für Mathe und Deutsch aufzuholen, als Sitzungen der Schüler*innenvertretung.

Dabei brauchen Schüler*innen gerade in unsicheren Zeiten mehr Raum, um ihre Anliegen zu besprechen. Schüler*innenbeteiligung ist kein Luxus, den wir uns leisten, wenn alles andere gerade läuft. Es ist ein grundlegendes und in Schulgesetzen verankertes Recht von Schüler*innen. Wir haben daher “unseren” Schulen, die wir in der Umsetzung vom Beteiligungskonzept aula begleiten, empfohlen, die Schülerbeteiligung auch in der Corona Zeit weiter laufen zu lassen.

Aufgabenverteilung digital organisieren

Darüber hinaus haben wir uns gefragt, ob wir Schulen in dieser neuen Situation dabei unterstützen können auch ihre Kommunikation mit aula zu organisieren und Absprachen ein Stück weit vom Schulraum zu entkoppeln und ins Digitale zu verlagern.

Vom ersten Tag der Pandemie haben einige Schulen mit aula gearbeitet. Dejan Mihajlović, Lehrer an der Pestalozzi-Realschule Freiburg, erzählte dazu im aula-Update-call:

Wir haben aula von Beginn der Pandemie an benutzt um Aufgaben an die Schüler*innen zu verteilen. Wir haben die Theme- und Klassenräumen genutzt für die  Kommunikation der Aufgaben, unter anderem auch weil wir keine andere Plattform zur Verfügung hatten, die DSGVO Konform gewesen wäre. 

Wir stellen da jeden Sonntagabend die Wochenaufgaben rein. Am Anfang haben viele Kolleginnen täglich die Aufgaben aktualisiert, mittlerweile ist es so das zum Beispiel die Kernfächer ihre Aufgaben rein stellen und in jeder Woche nochmal eine Nebenfach- Aufgabe dazu kommt. Wie wir Aufgaben stellen hat sich also weiterentwickelt im Austausch mit den Schüler*innen. Die haben uns gesagt was realistisch ist, was für sie geht und was nicht geht.

Dejan Mihajlović

Dieser pragmatische – wenn auch etwas zweckentfremdete – Einsatz von aula hat sich als hilfreich erwiesen und lenkt den Blick darauf, dass E-Mail Kommunikation nicht immer der praktischste Weg ist. Viele Schule haben für sich inzwischen Lösungen gefunden, wie sie in Kommunikation mit ihren Schüler*innen bleiben.

Beteiligung als Ressource gegen Kontrollverlust

Kommunikation ist aber noch nicht Beteiligung. Und diese ist jetzt wichtiger als je zuvor. Erstens ist es elementar, dass Schüler*innen sich gerade in den unübersichtlichen Zeiten der Pandemieregelungen als handelnde Subjekte erleben. Der aktuell stark empfundene Kontrollverlust verstärkt die psychischen Belastung durch die vielen Veränderungen. Verantwortung für sich und andere zu tragen ist hingegen eine heilsame Ressource. Sei es die Planung von Schulveranstaltungen, das Sprechen über Fahrradständer oder Hitzepausen. Schüler*innen müssen das Gefühl haben, dass die Schule ihr Raum bleibt und nicht vollkommen fremdbestimmt ist. Das ist ein Eindruck, der leicht entsteht, wenn man plötzlich gezwungen wird, völlig neuartigen und sich ständig verändernden Hygienemaßnahmen und weiteren Regeln zu folgen.

Noch mehr bietet es sich an, die Ausgestaltung dieser Hygienemaßnahmen so gut wie möglich in Schüler*innenhand zu legen. Viele Schulen berichten, dass gerade die Jüngeren, die Grundschüler*innen, sich leichter tun mit der Anpassung an die Hygiene- und Abstandsvorschriften, als zum Beispiel Oberstufenschüler*innen. Das hat verschiedene Gründe – einer davon ist mangelnde Akzeptanz von Regeln, auf die man keinen Einfluss hat. Akzeptanz für Regeln kann man schaffen, indem man Schüler*innen selbst die Details der Hygienepläne mitgestalten lässt. Dabei kann man Vorgaben vom Land transparent machen und Gestaltungsräume klar definieren. Der Prozess dauert möglicherweise länger, wird aber durch weit höhere Akzeptanz der Regeln belohnt – und damit durch höheren Schutz für alle Beteiligten.

In einer Krise, wenn alles ohnehin gerade stressig ist, neigt man dazu, möglichst wenige Personen in Entscheidungen einzubeziehen, um handlungsfähig zu bleiben. Und für einen ersten Aufschlag ist das gut. Doch als Demokratie müssen wir mittelfristig wieder dahin kommen, diese ersten Entscheidungen mit allen gemeinsam zu reflektieren und, wo nötig, zu verändern oder zu gestalten. Das ist kein Luxus und ist nicht Erwachsenen vorbehalten.

Wie kann aula helfen?

aula kann diesen Prozess unterstützen, indem Schüler*innen von zuhause jederzeit Ideen zur Umsetzung einstellen können, andere Ideen schulweit sehen, kommentieren und weiterentwickeln können und verbindlich online abstimmen können. Das Konzept sieht zwar auch Besprechung der Ideen in Präsenz vor, funktioniert aber in der Pandemie auch vollständig auf Distanz.

Ob mit Hilfe von aula oder über andere Mittel – wir ermutigen dazu, gerade in der Pandemie Schüler*innenbeteiligung zu stärken.

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