Liquid Democracy

Eine der vielversprechendsten und integrativsten neuen Formen der demokratischen Beteiligung ist die Liquid Democracy. Sie vereint Elemente der Basisdemokratie mit Elementen der repräsentativen Demokratie, indem jede/r TeilnehmerIn darin eine Stimme hat, die er/sie selbst nutzen oder an jemand anderen delegieren kann. Durch Delegation und Weiterdelegation werden Netze geknüpft, die die meisten Stimmen bei als vertrauenswürdig eingeschätzten ExpertInnen im jeweiligen Thema konzentrieren. Stimmen können jederzeit durch die Besitzer zurückgenommen und anders delegiert oder selbst benutzt werden.
Das Prinzip wird internetgestützt umgesetzt, wie beispielsweise durch die Open-Source-Softwares LiquidFeedback oder Adhocracy. („aula“ benutzt eine speziell entwickelte Software von Liquid Democracy e.V.). Das Konzept der Liquid Democracy wird auf mehreren Ebenen in der Politik bereits praktisch umgesetzt, beispielsweise in der Kommunalverwaltung (siehe https://www.liquid-friesland.de ).
Aber auch außerhalb der Politik ist der Einsatz von Liquid Democracy denkbar. Überall dort, wo viele Menschen nicht nur gemeinsame Entscheidungen treffen wollen, sondern auch neue Ideen entwickeln und umsetzen. Überall, wo Kompetenzen verschieden verteilt sind, ist die Stimmdelegation ein nützliches Werkzeug. Beispiele dafür sind Firmen, Nichtregierungsorganisationen, Studierendenparlamente, Gewerkschaften, Jugendzentren und eben auch Schulen. Dass die Erziehung zur Demokratie nicht nur durch theoretischen Unterricht, sondern auch durch die praktische Beteiligung von SchülerInnen an den schulischen Entscheidungsprozessen stattfinden muss, ist der Grundgedanke dieses Projekts.
Liquid Democracy erweitert hierbei Möglichkeiten von Demkratieerprobung im Bildungskontext über herkömmliche Verfahren wie beispielsweise Klassensprecherwahlen. Erstens erlaubt es Kindern und Jugendlichen anstatt einer einfachen Wahl zwischen Alternativen auch, eigene Ideen zu formulieren, zu verbessern und Mehrheiten dafür zu finden. Zweitens zwingt die Möglichkeit der Stimmendelegation die Beteiligten zu einer tieferen Reflexion als eine einfache Wahl. Sie können ihre eigene Rolle auf einem Kontinuum zwischen passivem Wähler und aktivem Gestalter („Politiker“) jederzeit bestimmen. Sie müssen die eigenen Kompetenzen einschätzen und die Kompetenzen ihrer MitschülerInnen, um eine Entscheidung über eine Stimmdelegation zu treffen. Diese beiden Vorgänge funktionieren analog zu tatsächlichen Anforderungen der politischen Welt (und eignen sich daher hervorragend als Übungsfeld für demokratische Zusammenhänge). Stimmdelegation ist ein Prinzip, das auf kooperative Gestaltung der Umwelt ausgelegt ist.