Was ist aula?

aula – Schule gemeinsam gestalten“ ist ein Bildungsprojekt für zeitgemäße, digitale und politische Bildung. Es ist ein dauerhaftes Beteiligungskonzept, das alle Schülerinnen und Schüler einer weiterführenden Schule einschließt und ihnen mithilfe einer Online-Plattform und didaktischem Begleitmaterial ermöglicht, aktiv ihre eigene Schule (Regeln, Raumgestaltung, Unterrichtsthemen, Veranstaltunge etc.) mitzugestalten. Dabei befähigt aula junge Menschen durch aktive Demokratie-Praxis dazu, ihre eigene Umgebung zu verändern und Kompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken zu erwerben.

Wer ist beteiligt?

aula ist ein Projekt von politik-digital e.V.  Es wurde entwickelt mit freundlicher Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung und technisch umgesetzt mit Hilfe von Liquid Democracy e.V. 

Ziel des Projektes

aula möchte es Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen ermöglichen, in einem festen, vorher vereinbarten Rahmen eigene Ideen für die Gestaltung ihres Schulumfelds zu entwickeln, Mehrheiten dafür zu finden und die Umsetzung zu beschließen. Dabei werden sie didaktisch begleitet, um den Prozess zu reflektieren und die Verbindung zwischen Alltagsentscheidungen und demokratischer Verantwortung zu entdecken. Das fördert in Jugendlichen nicht nur eine Reflektion über eigene Wünsche, sondern auch über eigene Kompetenzen und deren Grenzen, sowie über die Kompetenzen anderer.

Didaktischer Rahmen

Das Projekt fördert und trainiert verschiedene Kompetenzen wie Argumentation, Diskussion, Kompromissfindung, Minderheitenschutz und Antidiskriminierung, Umgang mit digitalen Medien, demokratische Überzeugungsarbeit etc., die sich unter anderem den sogenannten 21st century skills (Kollaboration, Kommunikation, Kritisches Denken und Kreativität) zuordnen lassen.
Im Rahmen der Konzeptionalisierung wurde darauf geachtet, dass jede Handlungskompetenz im System eine didaktische Begleitung erfährt. Durch die didaktische Begleitung im Rahmen der aula-Stunden können diese Kompetenzen zielgerichtet entwickelt werden. Zusätzlich zur Software werden den Schulen deshalb auch verschiedene Begleitmaterialien zur Verfügung gestellt.

Didaktischer Leitfaden

  • aula-Workshops und aula- Stunden (inklusive Plakate, aula-Box, Präsentationen, Video-Tutorials “How to aula” etc.)
  • Unterrichtseinheiten (teilweise noch in Entwicklung): “Repräsentative, direkte und liquide Demokratie”, “Inklusion und Antirassismus”, “Medienkompetenz und Kommunikation auf Onlineplattformen”, “Umgang mit Hatespeech und Cybermobbing”

Technischer Leitfaden:

  • Installation und Funktionen der Software, Hinweise für Systemadministration, Benutzerrollen, Sichere Passwörter, Umgang mit Urheberrecht, Bild-Lizenzen etc.

Zielgruppe

aula ist konzipiert für den Einsatz in allen weiterführenden Schulen in den Klassen 5-13. Zur Zeit gibt es vier Pilotschulen, die mit ausführlicher Anleitung, Workshops und monatlichen Besuchen bis zum Sommer 2018 begleitet werden. Im Optimalfall wird das Projekt in den Schulalltag integriert und so die gesamte Schulgemeinschaft mit einbezogen. Es ist aber auch möglich aula von einem Teil der Schülerinnen und Schüler, stufenweise oder mit einzelnen Kursen zu nutzen. Eine Erweiterung ist jederzeit möglich.

Kosten

Sowohl die Software als auch das didaktische Begleitmaterial werden nach Ende der Pilotphase als offene Bildungsressourcen zur Verfügung stehen (Lizenz AGPLv3  bzw. CC-BY) Die Finanzierung von nicht kostenlosen Ideen sollten sich Schülerinnen und Schüler als Teil des didaktischen Konzepts selbst organisieren. Um eine optimale Einführung von aula zu gewährleisten, entstehen Kosten für Technik (Einrichten, Hosting und Wartung der Plattformen) und Personal (Durchführung der Einführungs-Workshops, Unterstützung bei den ersten aula-Stunden, Reflexions-Workshops).

Zeitaufwand

aula beansprucht regelmäßige Zeiten. Optimal ist eine Stunde pro Woche, während der die Schülerinnen und Schüler jeder Klasse Zeit bekommen, um Ideen zu besprechen, in Themen zu sortieren, “Wahlkampf” für sie zu machen und sich gedanklich Zeit für die Gestaltung ihrer Schule zu nehmen. Dies kann im Unterricht passieren, kann aber auch Teil außerunterrichtlicher Aktivitäten sein. Optional lassen sich diese Stunden aber auch seltener, zum Beispiel einmal monatlich durchführen.

Die beteiligten Akteurinnen und Akteure

Schüler
Schülerinnen und Schüler: Alle beteiligten Schülerinnen und Schüler bekommen einen Account. Sie dürfen Ideen einstellen, diskutieren und abstimmen.

moderatorModeratorinnen und Moderatoren: Diese Gruppe besteht aus Lehrerinnen und Lehrern sowie jenen Schülerinnen und Schülern, die gern mehr Verantwortung und administrative Aufgaben übernehmen möchten. Moderatorinnen und Moderatoren können Ideen einstellen und bearbeiten sowie Kommentare/Verbesserungsvorschläge bearbeiten und löschen.

SchulleitungSchulleitung: Die Schulleitung (oder entsprechende Vertretungen) prüft die Ideen auf ihre Umsetzbarkeit gemäß des vorher vereinbarten aula-Vertrags. Mit dem Account der Schulleitung können außerdem auch Ideen eingestellt werden.

ElternEltern: Eltern erhalten auf Wunsch einen Account mit dem Sie die Ideen und Diskussionen im “Schulraum” sowie dem “Klassenraum” ihres Kindes sehen können. Sie haben ansonsten keine Rechte auf der Plattform.



VertragDer Vertrag:
Am Anfang des Projekts muss eine verlässliche Basis geschaffen werden, die allen Beteiligten den Rahmen klar macht, in dem Ideen von Schülerinnen und Schülern sich bewegen können und was die Rechte und Pflichten jeder/s Einzelnen sind. Dies wird mit dem aula-Vertrag geregelt. Im Normalfall handelt es sich bei diesem Vertrag um eine freiwillige Selbstverpflichtung der Schulkonferenz, durch aula beschlossene Ideen mitzutragen.

 

Rollen bei aula

Das Verfahren

In der “Wilde Ideen Phase” können Ideen jederzeit in die Online-Plattform eingestellt
werden. Sie müssen zu diesem Zeitpunkt noch nicht perfekt formuliert sein. Bei
Erreichen einer gewissen Unterstützung durch andere Schülerinnen und Schüler
kommen Ideen “auf den Tisch”.

Sie werden zu Themen gruppiert und dann intensiv ausgearbeitet. Die Dauer der
Ausarbeitungsphase kann jede Schule selbst festlegen, im Normalfall dauert sie ca. 3
Wochen. In dieser Zeit können online und offline Verbesserungsvorschläge zu den
Ideen formuliert und favorisiert werden.

Vor der Abstimmung muss die Schulleitung die einzelnen Ideen auf ihre
Umsetzbarkeit hin prüfen und zulassen. Auch die Abstimmungsphase dauert
üblicherweise 3 Wochen, kann aber ebenfalls verkürzt oder verlängert werden.
Ideen, die eine Mehrheit gefunden haben, werden umgesetzt. Anschließend
werden der Prozess und das Ergebnis im Rahmen der aula-Stunden oder im
regulären Unterricht reflektiert. Die aula-Plattform protokolliert und strukturiert den
ganzen Beteiligungsprozess von Anfang bis Ende.

phasen

Erklärvideo: Marina Weisband über aula

5 Gedanken zu “Was ist aula?

  1. Ute Plass schreibt:

    „aula möchte es deswegen SchülerInnen der weiterführenden Schulen ermöglichen, in einem festen, vorher vereinbarten Rahmen eigene Ideen für Gestaltung zu entwickeln, Mehrheiten dafür zu finden und die Umsetzung zu beschließen. Dabei werden sie im Laufe eines Jahres didaktisch begleitet, um den Prozess zu reflektieren und die Verbindung zwischen Alltagsentscheidungen und demokratischer Verantwortung zu entdecken.“

    Wieso wird „aula“ nur an sog. weiterführenden Schulen praktiziert?

    Werden Schülerinnen und Schüler unterstützt und befähigt in der Wahl dessen, was sie lernen
    und lehren wollen?

    • Klaus schreibt:

      Tolle Initiative! Zu Schulzeiten bereits zum mündigen politisch aktiven Bürger befähigt zu werden ist ein Beitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

      Vermutlich fordern diese Schüler im Erwachsenenalter die gleiche Teilhabe und Transparenz in der „großen“ Politik ein :-))

      Viel Erfolg –

      Klaus.

      @Ute: Weiterführende Schulen sind die Schulen, die sich an die Grundschule anschließen. Warum stört Dich diese Einschränkung?

  2. Fred Hagemeistet schreibt:

    Super-Idee mit eingebautem Praxis-Test‘ So sind Änderungen an „idealistischen“ Konzepten immer dann möglich, wenn sie empirisch gut begründet und für die Mehrheit der Betroffenen „Akteure“ nachvollziehbar und praktikabel sind.

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