Evaluation – zwei Jahre Schule gemeinsam gestalten

Am Anfang steht immer eine Idee. Junge Menschen schon in der Schule dazu ermutigen, ihre Umgebung mitzugestalten und so Demokratie in der Praxis zu lernen – so die Vision vor der Entwicklung von aula. Vor über drei Jahren konnten wir dank einer Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung  und einer von  Liquid Democracy entwickelten Software die Idee mit vier mutigen Pilotschulen in die Tat umsetzen. Nun sind wir am Ende unserer Pilotphase und brennend daran interessiert zu erfahren:  Welchen Effekt hat aula in den Schulen gehabt? Ist das Konzept „erfolgreich“?

“Durch aula merken die Schüler, dass sie selber was hinkriegen können. Dass sie alleine etwas komplett verändern können.”

(Schülerin, 13. Klasse, Hamburg)

Die Antwort ist simpel: ja. Auch wenn es im Prozess so manche Herausforderung zu bewältigen gab, (ein gutes  Beispiel sind vergessene Passwörter und neue Mediennutzungsgewohnheiten ) ziehen wir eine sehr positive Bilanz.

Selbstwirksamkeit und Demokratie-Lernen

Vor den Sommerferien haben wir an allen Pilotschulen Evaluationsinterviews mit SchülerInnen, LehrerInnen und der jeweiligen Schulleitung durchgeführt. Neben hilfreichen Schilderungen der Herausforderungen, die an jeder Schule anders ausgeprägt waren, bekam das Projekt viel positive Resonanz der Beteiligten. Tatsächlich berichteten uns die meisten SchülerInnen, dass sie durch aula das Gefühl hätten, mehr in der Schule und in der Gesellschaft bewirken zu können. Gleichzeitig gaben sowohl LehrerInnen als auch die Schulleitungen an, dass aula sehr gut für Kompetenzen des Demokratie-Lernens geeignet sei.

“Es war ne geile Zeit! Hat viel Spaß gemacht, man hat echt was gelernt. Viel mit jüngeren und älteren Schülern zusammengearbeitet, das fand ich fast am schönsten. Man hat wirklich gemerkt: am Ende wollen sie halt alle das Gleiche irgendwie. Das ist ein sinnvolles Projekt. Da sollte man noch dranbleiben, finde ich.”

(Schüler, 10. Klasse, Freiburg)

Über 3000 Ideen wurden an den vier weiterführenden Schulen auf der aula-Plattform verfasst, davon haben die SchülerInnen 20 verschiedene Projekte entwickelt, positiv abgestimmt und zur Umsetzung gebracht. In diesem Prozess haben viele offensichtliche und auch subtile Entwicklungen stattgefunden. Viele haben erlebt, was es bedeutet, sich für die eigenen Interessen einzusetzen und sich als wirksames Mitglied einer Gemeinschaft zu begreifen. Einige haben gelernt, dass Engagement auch Arbeit bedeutet und manchmal auch nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Manche, die sich bisher kaum am Schulleben beteiligt haben, möchten sich plötzlich einbringen und steuern Ideen bei. Die beiden vielleicht wichtigsten Erkenntnisse der Evaluation sind, dass aula offensichtlich die Erfahrung von Selbstwirksamkeit fördert und die allermeisten der Beteiligten gern weiter mit dem Konzept arbeiten möchten. Diese und andere Beispiele können ausführlich unter Evaluation nachgelesen werden. Den Kurzbericht mit den prägnantesten Ergebnissen kann hier heruntergeladen werden:

   Kurzbericht herunterladen

Einen ausführlichen Erfahrungsbericht findet sich außerdem im Blogpost des aula-Pilotlehreres Dejan Mihajlovic der Pestalozzi-Realschule Freiburg.

Wie geht es weiter mit aula?

Es steht viel an bei aula!
Momentan sind wir noch dabei ein paar Anpassungen an der gesamten aula-Plattform vorzunehmen, um neue Funktionen zu integrieren und die Installation und die Administration zu vereinfachen. Ende September kann auf www.aula.de das didaktische Material und der aula-Source-Code heruntergeladen werden. Gleichzeitig launchen wir die offizielle aula-App, die wir mit Hilfe einer Förderung durch den Innovationswettbewerb demokratie.io entwickeln konnten und daher auch kostenfrei für alle zugänglich machen können. Im Oktober starten wir außerdem mit aula in Berlin: An 5-10 Berliner Schulen werden im Schuljahr 2018/19 aula-MultiplikatorInnen ausgebildet, die das Bildungskonzept an ihre eigene Schule bringen. Die MultiplikatorInnen bestehen dabei größtenteils aus SchülerInnen.

Im Rahmen des BMFSFJ-Bundesprogramms “Demokratie Leben!” wird außerdem getestet, ob das Beteiligungskonzept aula auch in der kommunalen Jugendbeteiligung verwendet werden kann. Unter dem Namen „Jugendforen Digital“ werden wir das Konzept für den außerschulischen Bereich anpassen und in 5-10 Kommunen bundesweit aula-BotschafterInnen ausbilden. Mehr dazu folgt bald auf unserem Blog!


Titelbild: Unsplash Notebooks via unsplash, Baron Fig, CC0, bearbeitet.

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