Erste aula Schule in Bayern: Demokratische Schulentwicklung am SFZ Amberg

/ Dezember 11, 2019/ Allgemein/ 0Kommentare

Manche Ideen brauchen etwas Zeit, bis sie umgesetzt werden können. Bereits 2017 sieht Ralph Schmitt, stellvertretender Schulleiter des Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) Amberg einen Beitrag im Deutschlandfunk, in dem Marina Weisband von einer Partizipationsplattform berichtet. Sein erster Impuls: aula könnte ein wesentliches Element der Schülermitverantwortung (SMV) werden. Dank einer finanziellen Förderung und Kooperation von Politik Digital e.V. und OPENION hat sich sich diese Idee zwei Jahre und einige Herausforderungen später realisiert. Erfahrungsbericht eines stellvertretenden Schulleiters. 

Warum eigentlich aula? 

aula ist Teil eines längerfristigen demokratischen Entwicklungsprozesses an der Schule, mit dem Ziel Schüler*innen sowie allen an Schule Beteiligten möglichst optimale Bedingungen zur Mitgestaltung zu bieten. Bevor aula am SFZ Amberg eingesetzt wurde, konnten die Schüler*innen ihre Ideen, Wünsche und Anregungen in den Klassen oder in den Klassensprecherversammlungen äußern. Das wurde auch genutzt, dennoch konnten viele Ideen und Wünsche aus verschiedenen Gründen häufig nicht verfolgt werden. Durch die Beteiligungsplattform aula erhöht sich jetzt die Verbindlichkeit für die Schulfamilie (oder in anderen Bundesländern Schulkonferenz gennant) , die Ideen nach der Abstimmungsphase auch umzusetzen.

Auch die Förderung der Medienkompetenz der Schüleri*innen soll durch den Einsatz der Plattform ausgebaut werden. Nachdem am 14. März 2019 der aula Vertrag während einer Schülerversammlung vorgestellt und offiziell durch Schülersprecher*innen und Schulleitung unterzeichnet wurde, konnte mit dem Einsatz der Plattform begonnen werden. 

Die Hardware Situation ist ausbaufähig 

Das SFZ Amberg besitzt einen schnellen Internetanschluss, allerdings befindet sich die Ausrüstung der Klassenzimmer mit der entsprechenden Hardware noch im Aufbau. Deshalb benötigten alle Schüler*innen und beteiligten Lehrkräfte entsprechende Ausdauer. In Zukunft soll die Aufstellung eines PC in der Aula zur Nutzung der Plattform allen Schüler*innen die Möglichkeit bieten, „aula“ zuverlässig innerhalb der Schule nutzen zu können. Zudem sollen mittelfristig in den Klassenzimmern die notwendigen Geräte zur Verfügung stehen.

“Ideen mal ungebremst entfalten lassen” 

Nachdem die ersten Schritte mit „aula“ gemacht wurden, dauerte es nicht lange und die Liste der „Wilden Ideen“ wurde immer länger. Aus vielen Bereichen des Schullebens wurden Vorschläge und anschließend Verbesserungsvorschläge eingebracht. Aus Sicht einer Lehrkraft wurde deutlich, wie wichtig es für die Kinder und Jugendlichen ist, dass sie ihre Ideen zunächst „ungebremst“ eingeben durften. Auch in dieser Zeit ergaben sich schon Gespräche mit den Schüler*innen, in denen deutlich wurde, wie sehr eine zu schnelle Bewertung durch Erwachsene eine Idee in der Entstehung „ausbremsen“ konnte.

Da sehr viele Ideen in „aula“ eingegeben wurden, unterstützten die SMV-Lehrkräfte die Schüler*innen bei der Auswahl und der Erarbeitung der Themen. Dies war eine sehr sensible Phase, denn die Schüler*innen sollten dabei nicht beeinflusst werden. Um den Stand der Themenvorbereitung bzw. das Abstimmungsergebnis mitteilen zu können, wurden die „aula-News am SFZ Amberg“ eingeführt.  
Innerhalb dieser Themengebieten wurden im letzten Schuljahr Abstimmungen durchgeführt:

  • Chill- und Spieleraum
  • Spinde für die Schüler*innen
  • Pausenhofgestaltung
  • größere Fahrräder für die Verkehrserziehung

Schließlich wurden folgende Beschlüsse gefasst:

  • Ein Kicker für die Aula wird durch die Schule angeschafft.
  • Das Schülercafé „Chill Lounge“ wird im Schuljahr 2019/20 wieder eingeführt.
  • Spinde sollen zunächst für die Oberstufe angeschafft werden.

Erstes Fazit: Starker Impuls für demokratischen Entwicklungsprozess

Im Laufe des Schuljahres 2018/19 konnte „aula“ an unserer Schule vorgestellt, eingeführt und erprobt werden. Die ersten Erfahrungen waren sehr positiv. „aula“ war rasch unter allen Schüler*innen bekannt und es wurden viele konstruktive Ideen in die Plattform eingeben.

Hilfreich bei der Einführung war  die enge Kooperation mit politik-digital e.V. Durch den Einsatz von „aula“ wurde dem demokratischen Entwicklungsprozess am SFZ Amberg ein starker Impuls gegeben. Innerhalb der Schulfamilie wurde vermehrt über Demokratie und Möglichkeiten der Mitbestimmung gesprochen.

Bei den Abstimmungen zeigte sich, dass hier vor allem die jüngeren Schüler*innen gelegentlich Unterstützung benötigten. Überraschenderweise wurde die Anschaffung von neuen Fußballtoren für den Pausenhof abgelehnt. Gerade auch die Verfolgung dieses Abstimmungsprozesses legte die Vermutung nahe, dass einige Schüler*innen durch einen Doppelklick ihre Stimme sofort wieder zurück nahmen. Dies sollte bei den nächsten Abstimmungen im Vorfeld noch einmal erläutert werden, da die Plattform die Möglichkeit bietet, während des Abstimmungsprozesses die Wirksamkeit der eigenen Stimme zu sehen. 

Für den Rest des Schuljahrs 2019/20 steht die Umsetzung der positiv abgestimmten Ideen auf dem Plan. Zudem haben wir folgendes auf der aula-Agenda: 

  • Weitere Nutzung der Beteiligungsplattform „aula“;
  • Einbettung in ein Gesamtkonzept der Schülermitverwaltung;
  • Erstellung von Plakaten mit Satzmustern zur Erleichterung der Eingabe von Ideen und Verbesserungsvorschlägen;
  • Anpassung der Hardware, um die digitale Form der Mitbestimmung am SFZ Amberg für die Schüler*innen einfacher zu gestalten;
  • Aufstellung eines PC in der Aula zur Nutzung der Plattform;
  • Weitere Maßnahmen, um die demokratische Grundhaltung und das Demokratieverständnis an der Schule weiterzuentwickeln.

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