Einführung von aula in Jena

Am 22. Und 23. August 2016 ist das Aula Projekt an der Jenaplan-Schule Jena offiziell gestartet. Alle SchülerInnen und Schüler ab Stufe 7 konnten sich in einem Workshop mit der dem Projekt und der Software vertraut machen.

Unterstützt von einigen Lehrern und Lehrerinnen, führten Marina Weisband und Alexa Schaegner die vier „Stammgruppen“ der Klassen 7-9, die beiden 10er Klassen und für die Oberstufe bis Stufe 13 an zwei Tagen in das Projekt ein. In jeweils einer Doppelstunde wurden die Schülerinnen und Schüler zunächst in das Thema Beteiligung und Demokratie eingeführt um dann in der zweiten Stunde direkt ganz praktisch mit der Software arbeiten zu können.

In der ersten Stunde marina-jena-1bekamen die SchülerInnen die Möglichkeit darüber zu sprechen, was an ihrer Schule sie unzufrieden macht und an welche Stelle sie sich aktuell wenden, wenn sie etwas
verändern wollen. Ein erstes Brainstorming brachte eine große Vielfalt an Ideen hervor, die SchülerInnen zur Veränderung ihrer Schule haben. Im Rahmen des „Münzspiels“ wurden die SchülerInnen an flüssige (liquid) Demokratie und die Stimmdelegation heran geführt. Während des Spiels wurden sie dazu animiert über eine fiktive Klassenfahr abzustimmen und zuvor darüber zu entscheiden, ob die eigene Stimme in Form einer Münze selbst eingesetzt oder weitergegeben wird. So wurde das Beteiligungskonzept von aula vorgestellt und anschließende Fragen geklärt.

In der zweiten Stunde durften die Schülerinnen und Schüler sich selbst an den Computer setzen und die Plattform praktisch ausprobieren. Sie bekamen ihre Zugänge und übten anhand mehrere Aufgaben, wie man eigene Ideen einstellt, Verbesserungsvorschläge schreibt, Themen zur Debatte auf den Tisch bringt, die eigene Stimme überträgt und abstimmt.

marina-jena-3Die Reaktion auf das Projekt war seitens der Schüler überwiegend positiv. Beim Brainstorming zu Beginn der Stunde waren die SchülerInnen in einigen Klassen noch zurückhaltend, entwickelten aber sehr schnell immer zahlreichere und immer kreativere Ideen. Wir gehen daher davon aus, dass ein Brainstorming innerhalb der Gruppe helfen kann, Kreativität für Visionen und Veränderungen zu wecken und es sich daher gut als Einstieg in eine solche Stunde eignet.

Das Beteiligungskonzept von aula, sowie das Prinzip der liquiden Demokratie bereitete den Schülern keine Probleme und wurde durch das Münzspiel schnell verstanden und sofort praktisch umgesetzt.

Die Schüler waren insgesamt sehr interessiert und stellen viele konstruktive Fragen, die nicht zuletzt dabei helfen das didaktische Konzept von Aula weiter zu verbessern. So wurden die gewonnen Erkenntnisse bereits in den Unterrichtsleitfaden eingearbeitet und können so bereits die nächsten Workshops bereichern.

Die größten Probleme die während des Workshops auftraten, waren technischer Natur. Gerade jene Klassen, die mit den kürzlich angeschafften Tablets arbeiteten, hatten mit einer langsamen Internetverbindung zu kämpfen.

Wie geht es weiter?

In Jena sind nun alle SchülerInnen der Stufe 7-13  mit einem Zugang zur Plattform und dem nötigen Basiswissen ausgestattet um sie zu benutzen. Auf lange Sicht ist geplant, auch die Stufen 5 und 6 mit in das Projekt einzubeziehen. Die Schulung für sie wird aber durch ältere SchülerInnen durchgeführt. Viele haben sich freiwillig gemeldet, um Teil der Projektgruppe zu sein, die aus LehrerInnen und SchülerInnen besteht und  Moderatoren-Aufgaben übernehmen und Support für MitschülerInnen anbieten wird. Die Projektgruppe wird sich erstmals am 08.09. 2016 zusammenfinden. Dann gibt es in Jena einen Workshop für künftige Moderatorinnen, in dem die Funktionsweise der Software nochmal genau erprobt wird, sodass Hilfestellung geleistet werden kann. Außerdem wird gemeinsam mit der Projektgruppe ein marina-jena-2Entwurf für jenen Vertrag erarbeitet, der regelt, was genau die SchülerInnen entscheiden dürfen und unter welchen Bedingungen. Dieser Vertrag erleichtert allen Beteiligten ihre Arbeit und soll Frust und Konflikte von vorn herein vermeiden. Der Vertrag soll Mitte September der Schulkonferenz vorgelegt werden.

Mit der Zustimmung der Schulkonferenz kann Aula in Jena in die praktische Phase übergehen und mit Ideen befüllt werden.

 

Aula Pilotschulen stehen fest

Wir freuen uns sehr, dass nun endlich unsere vier Pilotschulen feststehen, mit denen wir im kommenden Schuljahr 2016/2017 gemeinsam Pionierarbeit leisten wollen.

Die Aula Pilotschulen sind bunt gemischt,  kommen aus verschiedenen Bundesländern, haben unterschiedliche Schulformen und pädagogische Schwerpunkte und stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die Aula-Pilotschulen im Überblick:

Jenaplan-Schule, Jena 

Die Jenaplan-Schule Jena (JPS) ist eine staatliche Gemeinschaftsschule in Thüringen und geht vom Kindergarten bis in die Klassenstufe 13. Die JPS folgt dem Leitgedanken einer offenen Schule mit Schulstrukturen und Unterrichtsinhalten, die Räume für individuelles und spontanes Lernen ermöglichen. Der Unterricht ist jahrgangsübergreifend, fächerübergreifend und projektorientiert organisiert. Das Konzept der JPS beruht auf den Ideen des Pädagogen Peter Petersen, der bereits 1923 den Jenaplan entwickelte. 1991 wurden seine Ideen für das pädagogische Konzept der JPS wiederentdeckt und weiterentwickelt. 2006 wurde die JPS als erste Schule mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet. 

Stadtteilschule am Hafen, Hamburg 

Die Stadtteilschule am Hafen liegt im Zentrum Hamburgs und ist ein lebendiges Beispiel für eine Schule zwischen interkultureller Kompetenz und Herausforderungen. In der Stadtteilschule lernen Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und Sprachen gemeinsam. Leistungsschwächere Kinder werden genauso wie Leistungsstärkere gezielt gefördert und gefordert. Die Schulform „Stadtteilschule“ ist aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Aufbaugymnasien hervorgegangen. Sie ist eine Alternative zum Gymnasium und bietet alle Schulabschlüsse bis zum Abitur, das identisch mit dem Abschluss am Gymnasium ist. Die Stadtteilschule am Hafen wird Aula zunächst nur für die gymnasiale Oberstufe einsetzen.

Pestalozzi Realschule, Freiburg 

Die Pestalozzi-Schule ist eine familiär geprägte Schule in übersichtlicher Größe, die das Lernen mit Kopf, Herz und Hand lebt.  Als  weiterführende Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt (WSB-Schule) legt die Schule besonderen Wert auf die Vermittlung einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise. Schüler und Schülerinnen werden in ihrer Eigenverantwortung und Persönlichkeit gefördert und gestärkt. Darüber sind außerschulische Partner wie soziale Einrichtungen und Unternehmen in das Schulleben eingebunden und bereichern das berufsorientierte Lernangebot. Die Pestalozzi Realschule ist außerdem Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ und engagiert sich aktiv für Zivilcourage und gegen Diskriminierung.

Gymnasium Nottuln

Das Gymnasium Nottuln ist ein Gymnasium für die Jahrgänge 5 bis 12 im ländlichen Raum in der Nähe von Münster, NRW. Die Schule legt dabei Wert auf Leistung und individuelle Begabungen, auf Sozialkompetenz sowie auf Effizienz und hohe Qualität, und hat dabei den Wettbewerb und internationale Orientierung im Blick. Neben der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium oder eine qualifizierte Berufsausbildung, hat das Gymnasium insbesondere die Entwicklung einer breitgefächerten Handlungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum „mündigen Menschen“ im Fokus. 2008 wurde das Gymnasium Nottuln mit dem Zertifikat „Schule der Zukunft“ für mehrere Projekte in puncto nachhaltige Entwicklung, Partizipation, Integration und Vernetzung ausgezeichnet. Am Gymnasium Nottuln wird aula im Gegesatz zu den anderen Schulen nicht verbindlich von allen Klassen, sondern auf freiwilliger Basis von einigen LehrerInnen und ihren Lerngruppen erprobt werden. Auf diese Weise wollen wir testen, wie sich das System dezentral in einen Schulalltag integrieren kann.

 

Neue Projektseite

Es gibt eine neue Projektseite. Hier wollen wir unsere Fortschritte dokumentieren und transparent zu einem Verständnis gelangen, was es braucht, um SchülerInnen die Macht über ihre eigene Schule zu geben.

Was bisher geschah:

Das Konzept ist entwickelt und mit ersten Fokusgruppen erprobt worden. Die technische Plattform wird derzeit noch programmiert. Ein Beirat mit Experten aus Schule und Wissenschaft berät aula bei der Arbeit.
Jetzt suchen wir vier Pilotschulen, die aula im Schuljahr 2016/17 schulweit (!) erproben wollen.