Ein Jahr mit aula – Erkenntnisse eines Lehrers

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Letztes Schuljahr durfte ich auf einigen Veranstaltungen das aula-Projekt vorstellen und bewerben. Zu dieser Zeit bezog ich mich hauptsächlich auf Konzept und Theorie, weil mir kaum Erfahrungswerte aus der Praxis vorlagen, von denen ich hätte berichten können. Das möchte ich mit ein paar rückblickenden Betrachtungen nachholen, auch weil ich es Leuten versprach, die alles rund um aula über soziale Netzwerke verfolgen.

AULA ≠ SOCIAL MEDIA

Theoretisch ist aula ein soziales Netzwerk. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es hier manche Hürden zu überwinden gilt. Man hat zwar eine eigene Profilseite, kann Beiträge posten, liken und kommentieren. Nur dass…
…die Profilseite keine Rolle spielt.
…es dazu (noch) keine App und Push-Benachrichtigungen gibt.
…es kein offenes soziales Netzwerk ist.
…es vorher nicht Bestandteil des Schüleralltags war und von außen eingeführt wurde (Die Entwicklung einer Plattform mit der jeweiligen Schülerschaft hätte sicher zu mehr Akzeptanz geführt, aber auch den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Projekts gesprengt.)

Weil aula nicht allen Mechanismen von sozialen Netzwerken unterliegt, muss man an einigen Stellen mehr Energie investieren. Dass Social Media (gedanklich aus Schülersicht) normalerweise nichts mit Schule zu tun hat, mag auch einen Teil zu der einen oder anderen Startschwierigkeit beigetragen haben. Natürlich stellen weder Attraktivität noch Akzeptanz von Instagram & Co kein realistisches Ziel dar. Dass aula aber mehr als ein Mal die Woche im Schulalltag stattfindet, müsste aber möglich sein. Die Entwicklung einer App für iOS und Android konnte bisher aus Kostengründen leider (noch) nicht umgesetzt werden.

EIN JAHR IST KEIN JAHR

Ein Jahr mit aula war eigentlich gar kein Jahr mit aula. Zu Beginn musste z.B. ein aula-Vertrag ausgearbeitet werden, der erst nach dem Beschluss in der Schulkonferenz (bestehend aus jeweils vier Vertreter_innen der Schülerschaft, des Kollegiums und der Eltern) in Kraft treten konnte. Das war bei uns nicht vor dem 28. November möglich. Somit stand Weihnachten schon vor der Tür und erschwerte einen schwungvollen Einstieg. Aula ist nicht nur ein Projekt, das man nebenher abhandeln kann. Es geht um ein grundlegend verändertes Verständnis von Partizipation. So eine gravierende Veränderung benötigt viel Zeit, Kraft und Kontinuität. Im alltäglichen Schulbetrieb stellt das alle vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Deshalb darf aula nicht die Angelegenheit einer Person oder Gruppe sein, sondern sollte von allen Schultern im System Schule getragen werden. Ein ambitioniertes und langfristiges Ziel, würde ich heute sagen. Ob in den monatlichen Schülerratssitzungen, Stufenversammlungen oder in Lehrerkonferenzen sollte aula ein fester Bestandteil sein und immer wieder reflektiert werden. Ein Umdenken kann nur gelingen, wenn die aula-Stunden nicht nur stattfinden, sondern auch gezielt genutzt werden, um Mitbestimmung in all seinen Facetten zu lernen und zu üben. Es genügt nicht, “nur“ partizipative Elemente zur Verfügung zu stellen und darauf zu verweisen.

  • Über den Autor
Dejan MihajlovicDejan Mihajlovic ist Lehrer an der Pestalozzi-Realschule Freiburg, die seit dem Schuljahr 2016/17 das Projekt aula für uns testet. Zusätzlich arbeitet er als Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung beim Staatlichen Schulamt und als SMV-Beauftragter beim Regierungspräsidium.

Auf seinem Blog mihajlovicfreiburg.com schreibt er außerdem über zeitgemäße Bildung

 

Die größte Wirksamkeit hat aula meiner Meinung nach damit erreicht, bestehende und fehlende Partizipation transparent zu machen und immer wieder die Frage aufzuwerfen, wo wir unsere Prioritäten setzen wollen. Alle zum Erfolg und Misserfolg von aula beitragenden Faktoren sind mit denen von Partizipation an Schule im Allgemeinen identisch. Es hängt somit in erster Linie nicht vom Konzept ab, sondern von der Priorisierung. Wenn aula-Stunden nicht stattfinden, liegt das nicht daran, dass Lehrende gegen aula oder Mitbestimmung sind, sondern dass Fachunterricht oder andere Aufgaben bei ihnen eine höhere Priorität erhalten. Und genau das gilt es immer wieder zu diskutieren.

Einen weiteren Erfolg von aula sehe ich in der erhöhten Wahrnehmung der SMV (Schülermitverantwortung, in anderen Bundesländern auch SV bzw. Schülervertretung) im Kollegium, durch die Posts und Debatten im und außerhalb des Netzes. Das hat dazu geführt, dass Ideen, an welcher Stelle und wie man die Schülerschaft beteiligen kann, auch immer mehr von allen Lehrer_innen bedacht und formuliert werden.

NEUES JAHR, NEUES GLÜCK

Im zweiten Schuljahr startet aula mit einem neuen Anreiz. Über eine Crowdfunding-Aktion wurden zwischen Februar und April ca. 3400€ gesammelt, die nun für Projektideen eingesetzt werden dürfen. Erste Ideen hat Marina Ende September mit den Stufenversammlungen (Klassen 5/6, Klassen 7/8 und Klassen 9/10) gesammelt. (Hier hat die Badische Zeitung darüber berichtet.) Beim letzten Schul-Barcamp (Hier gibt es einen Beitrag vom ersten Barcamp.) gab es eine Session zum aula-Projekt, bei der folgende Verbesserungsvorschläge und Pläne bezüglich der Umsetzung gemacht wurde:

  • Konkrete Aufgaben für die aula-Stunden sollen ausgetauscht werden (z.B. Pro- und Kontra-Argumente aufbauen, Analyse der bisherigen Kommunikationskultur und Lösungsansätze bei Problemen gemeinsam entwicklen, zielführende Kommentare üben).
  • aula im Fachunterricht (zusätzlich zur aula-Stunde) integrieren. Hierfür sollen das Kollegium nach Schnittpunkten suchen.
  • Smartphones der Schülerschaft zu Beginn des Monats nutzen (Flat noch vorhanden), um sich den Gang zum PC-Raum zu sparen.
  • aula-Plakate in allen Schulräumen aufhängen, die jede Phase einer Idee bis zur Umsetzung visualisieren.
  • aula muss nicht im PC Raum thematisiert werden. Eine Idee herausgreifen und gemeinsam ausbreiten (fehlende Fragen und Antworten usw.) und mit/ohne Beamer allen zeigen, was 
gerade auf dem Tisch liegt.

Screenshot aula FreiburgEnde letzter Woche hat die knapp 30-köpfige Schülervertretung auf der SMV-Hütte geplant, aula noch stärker zu etablieren. Den Anfang haben sie mit drei Ideen, die sie gleich bei aula gepostet und via Snapchat beworben haben, und einer neuen Taktik gesetzt: Meine fünf Stimmen. Der Plan ist es, dass jede_r der 30er-Gruppe mindestens fünf Mitschüler_innen zum Voten motiviert und so die einfache Mehrheit für Ideen erreicht wird. Ob und wie gut das funktioniert, wird sich zeigen. Zumindest bin ich nach dem dreitägigen Aufenthalt mit dem SMV-Team wieder voll motiviert, daran zu arbeiten, dass Partizipation noch besser gelingt.

Dieser Text ist ein Crosspost von Dejan Mihajlovic und  wurde zuerst hier veröffentlicht.

Bilder: politik-digital e.V.; © Dejan Mihajlovic; Screenshot aula

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Aula in Hamburg: Herausfordernde Strukturen und kreative Ideen

Wie jede Schule bringt auch die Stadtteilschule am Hafen in Hamburg einige Besonderheiten mit sich, die bei der Umsetzung von Projekten wie aula relevant sind. Die Stadtteilschule hat drei Standorte: einen in Hamburg Neustadt und zwei in St. Pauli. aula wird aktuell nur von der Oberstufe genutzt, die als eigener Standort in einem modernen (von der Schule gemieteten) Neubau untergebracht ist. Das Gebäude, das direkt neben dem legendären St. Pauli Millerntor-Stadion liegt, teilt sich die Stadtteilschule mit einem Wirtschaftsgymnasium und einer beruflichen Schule. Das führt zum einen dazu, dass die Schülerinnen und Schüler wegen der privaten Trägerschaft keinen EInfluss auf die baulichen und dekorativen Maßnahmen nehmen dürfen. Zum anderen sind nicht alle Schülerinnen und Schüler, die sich eine Pausenhalle, einen Schulhof und andere Räumlichkeiten teilen, mit aula vertraut.

Dazu kommt die Zusammensetzung der Schülerschaft. Manche der Schülerinnen und Schüler sind noch nicht allzu lange in Deutschland. Einige stammen aus Ländern mit weniger demokratischen oder offen diktatorischen Systemen. Manche der Schülerinnen und Schüler sprechen schlechter deutsch als andere, ein paar äußern sich positiv über Diktatoren. Wie wir gehört haben, ist ein ehemaliger Schüler als IS-Kämpfer nach Syrien gegangen und dort gestorben. Auch wenn all diese Dinge die Schule natürlich beeinflussen und spezifische (auch herausfordernde) Situationen schaffen, ist das nicht in erster Linie der Grund für die besondere Langwierigkeit, mit der das Projekt dort anläuft.

Nach den ersten Schulungen der beteiligten Akteurinnen und Akteure sind zwar inzwischen sehr viele Ideen im System, von denen allerdings noch keine genug Unterstützung gesammelt hat, um in die nächste Phase zu kommen. “Kann es wirklich sein, dass da noch keine einzige Idee auf dem Tisch ist?”, fragt uns ein Schüler der neuen 11er Klassen beim letzten Schulbesuch Mitte Oktober. “Ja das stimmt. Jetzt überlegen wir mal, wie wir das ändern könnten.”

Positive Verstärkung und Selbstwirksamkeit

Wie an keiner anderen Schule haben wir in Hamburg erlebt, wie wichtig es ist, die aufkeimenden Ideen und Initiativen der Schülerinnen und Schüler positiv zu verstärken. Dazu gehört, ihre Ideen ernst zu nehmen und ihnen kontinuierlich zu vermitteln, dass sie in der Lage sind etwas zu bewegen, ihr Verhalten zu reflektieren und wenn nötig zu verändern. Das hat auch mit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu tun und der Annahme,  dass positive Erwartungen in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten dabei helfen, Aufgaben tatsächlich zu bewältigen.

So scheint an der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg aktuell kein besonders hohes Maß an Mitbestimmungspraxis der Schülerinnen und Schüler zu geben.
Es gab seit einigen Jahren keinen Abiball und auch sonst scheinen Ideen, die bisher im Raum standen, oft daran gescheitert zu sein, dass am Ende niemand die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen wollte.  Auf diese Ausgangssituation gibt es zwei Perspektiven. Entweder “hier ist es besonders schwer, aula zu etablieren” oder “hier könnte aula einen tiefgreifenden Wandel in der Schulkultur hervorrufen”.

Aus unserer Sicht können schwierige Strukturen oder eine nicht funktionierende Beteiligungspraxis eine sehr gute Motivation sein, um mit aula jene Infrastruktur zu schaffen, die bisher nicht da war. Die Schulkultur zu erreichen und zu verändern, und nichts geringeres ist mit aula möglich, erfordert dabei aber nicht nur Durchhaltevermögen bei allen Beteiligten sondern vor allem auch die richtige Haltung.  Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass aula kein “tool” ist, in das vorne was hinein gekippt wird, was dann als fertiges Produkt wieder herauskommt. Wenn die Dynamik, die aula erzeugen kann, nicht entsprechend begleitet wird, werden alle Bemühungen und Ideen im Keim erstickt.

Raucherhäuschen und Smartboardunterricht

An kreativen Ideen mangelt es den Hamburger Schülerinnen und Schülern wahrlich nicht. Als wir Mitte Oktober die neuen 11ten Klassen schulten und erste Vorschläge für Ideen sammelten, die mit dem aula-Crowdfunding finanziert werden können, hören wir sehr praktische und teils auch erstaunliche Vorschläge. Bemerkenswert war die Idee eines Schülers, das Geld doch einfach an eine andere Schule zu spenden, die das nötiger hat als sie selbst: “Denn hier ist eigentlich alles ziemlich cool.”

Ein kollektives Anliegen, das uns auch schon letztes Jahr immer wieder begegnet ist, ist ein abgetrennter Raucherbereich. Aktuell befindet der sich nämlich neben dem Eingang und alle müssen ständig an den Rauchschwaden vorbei. Hier findet sich auch gleich die praktischste Idee für das Crowdfunding. Eine Schülerin schlägt vor, die Materialien für das überdachte Raucherhäuschen (Man einigte sich darauf, dass die Raucher nicht im Regen stehen sollten) gleich im Baumarkt zu besorgen und loszulegen. “Das können wir selber machen, ist billiger und macht Spaß.” Wie eingangs erwähnt, wird sich dieser schöne Vorschlag aber wahrscheinlich nicht umsetzen lassen, da die  solche “baulichen” Maßnahmen nicht erlaubt, wie auch im aula-Vertrag festgehalten wurde.  Positiv an der Diskussion solcher Vorschläge ist aber, dass sie immer wieder die aktuellen Regeln und Strukturen einer Schule transparent macht. So wird ein Bewusstsein für die eigene Umgebung und die Möglichkeit geschaffen darauf Einfluss zu nehmen. Und wer weiß, ob sich die strenge Gebäudeordnung nicht doch noch irgendwann verändern lässt?

Eine weitere Idee, die von der Klasse mit kollektiver Zustimmung bedacht wurde, lautete, von den rund 3.000 Euro des Crowdfundings “Smartboardunterricht” für die Lehrerinnen und Lehrer zu finanzieren. “Die fragen uns immer, wie das geht, und verstehen selbst gar nichts und dann sind die beleidigt, wenn wir das nicht können oder wollen”. Auch hier werden wieder Verhältnisse sichtbar gemacht, die vielleicht ein wichtiger Anstoß sein können für nachhaltige und notwendige Veränderungen an der Schule. Ob diese Idee umgesetzt wird, wissen wir in ein paar Wochen.

 

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Wie im Parlament: SchülerInnen in Nottuln diskutieren Budgetfragen

aula an einer Schule einzuführen ist an sich schon ein zutiefst politischer, demokratischer Akt. Oft zeigen sich gerade am Ringen um die Grenzen der Beteiligung , die Umsetzungsform und die Rollenverteilungen interessante Fragen und Konflikte, deren Bearbeitung demokratische Kompetenzen der beteiligten Schülerinnen und Schüler schon steigert, bevor irgendeine Onlinebeteiligung stattgefunden hat.

Ein Beispiel dafür ergab sich jüngst am Rupert-Neudeck-Gymnasium Nottuln. Hier sind die Schülerinnen und Schüler in der ausnehmend guten Situation, dass sie einen regelmäßigen und etablierten Schülerhaushalt haben. Schon vor aula konnten sie also jährlich über ein Budget von mehreren Tausend Euro selbst verfügen und demokratisch entscheiden. Normalerweise ist es der Ansatz von aula, solche bereits etablierten Beteiligungsformen in das Konzept einzuarbeiten und mit ihnen zu interagieren. Hier wäre das besonders praktisch, weil der Schülerhaushalt in einer ähnlichen Form abgestimmt wird, wie Ideen per aula (Ideen werden gesammelt, dann veröffentlicht, diskutiert und schließlich abgestimmt). Der nächste Schülerhaushalt wird etwa im November durchgeführt.

Auch für aula haben die Schülerinnen und Schüler in Nottuln mit Hilfe der GLS Treuhand per gemeinschaftscrowd.de ein Budget von insgesamt 3878€ gesammelt, das durch das im Rahmen von aula demokratisch verteilt werden kann. Auch die Abstimmung darüber war etwa für November geplant.
Es läge nun nahe, beispielsweise beide Budgets zusammen zu legen und zusammen auszugeben, da sie demselben Prinzip und derselben Zielsetzung folgen. Allerdings ist das Gymnasium in Nottuln nicht nur die einzige der vier Projektschulen von aula, die bereits über einen Schülerhaushalt verfügt, sondern auch die einzige, in der aula nicht schulweit installiert ist, sondern nur in einzelnen Lerngruppen (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 7).

Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer in Nottuln haben Zeit, mit ihren Lerngruppen an aula teilzunehmen, sodass aula als Modellversuch nur in Teilen eingeführt wurde. Das macht ein Zusammenlegen der Prozesse nicht demokratisch, denn nur ein Teil der Schule kann Ideen online per aula diskutieren.

Dieses Problem ist bei einem Treffen der Moderatorinnen und Moderatoren in Nottuln aufgekommen und wurde eifrig diskutiert. Der Prozess des Schülerhaushaltes muss in jedem Fall unberührt bleiben, da es ein etablierter, offener und demokratischer Prozess ist, an dem die ganze Schule teilnehmen kann. Wie aber mit dem aula-Budget verfahren?

Es zeitgleich abzustimmen würde bedeuten, dass die gleiche Idee in beiden Haushalten gewinnen könnte und dann doppelt finanziert wäre. Wie mit dem Geld verfahren, das dann überflüssig ist?

Ein Moderator schlug vor, das aula-Budget durch die sieben Lerngruppen zu teilen und jeder Lerngruppe 554€ zur Verfügung zu stellen. Die sollen in ihren Gruppenräumen bei aula darüber abstimmen, was sie damit machen wollen.
“Aber wie wird sich das auf das Schulklima auswirken?”, fragte ein anderer. Effektiv bedeutet das, dass die Lerngruppen, die mit aula arbeiten, dann mehr Geld haben, als alle anderen. Und das nur, weil ihre Lehrer und Lehrerinnen keine Zeit haben, aula mit ihnen einzuführen, weil sie vielleicht in anderen Feldern engagiert sind. Ist das nicht ungerecht? Sollten die aula-Gruppen das Geld nicht ebenfalls für Dinge ausgeben, die der ganzen Schule zugute kommen?

Die Diskussion dauerte insgesamt eine gute Stunde und wurde auf einem Niveau geführt, das auch einem Landtag gut zu Gesicht stünde. Demokratische Verantwortung und Minderheitenschutz wurden abgewogen, sowie der Umgang mit verschiedenen Töpfen, wie sie auch in realen Bedingungen in der Politik zu finden sind.

Die Moderatorinnen und Moderatoren haben folgendes Vorgehen vorgeschlagen:
Ideen werden jetzt schon in aula gesammelt. Dieser Prozess passiert parallel mit dem Schülerhaushalt. Von den Diskussionen über die einzelnen Ideen können beide Haushalte gemeinsam profitieren. Die Abstimmung in aula darüber, wie das aula-Budget zu verteilen ist, findet allerdings erst NACH dem Abschluss der Abstimmung des Schülerhaushalts statt. Auf diese Weise wird keine Idee doppelt finanziert und aula bietet noch einmal die Chance, auch Ideen umzusetzen, für die der Schülerhaushalt nicht mehr reicht.
Alle Ideen werden in den Schulraum eingestellt. Ob eine Lerngruppe dabei entscheidet, eine Idee einzustellen, dass sie etwas für 554€ für ihren eigenen Klassenraum macht, ist jeder Lerngruppe selbst überlassen. Es muss nur die entsprechende Mehrheit finden.
Ferner sollen auch die Lerngruppen, die nicht bei aula mitmachen, die Möglichkeit bekommen, noch mitzumachen. Falls ihre Lehrerinnen und Lehrer aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen wollen oder können, soll niemand sich dazu gedrängt fühlen. Moderatorinnen und Moderatoren aus dem Leistungskurs Sozialwissenschaften bieten an, in einer großen Pause mit zusätzlichen Lerngruppen an aula zu arbeiten.

Bei der Lösung ging es darum, wie niemand benachteiligt wird, besonders nicht engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die keine Kapazitäten mehr für aula haben. Auch der Schülerhaushalt soll ungestört stattfinden, da er ein gutes Beispiel dafür ist, wie Schülerbeteiligung funktionieren kann. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler, die fast 4000€ Spenden für das aula-Projekt gesammelt haben, die Gelegenheit haben, dieses Geld in eine bessere Umgebung für sich und ihre MitschülerInnen zu investieren.

Die Debatte, die zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels noch immer engagiert geführt wird, zeigt, dass die demokratische Kultur am Gymnasium Nottuln lebt und gedeiht. Und dass es nicht fertige, runde Konzepte sind, die politische Kompetenzen am besten ausbilden, sondern gerade unterschiedliche Herangehensweisen, kollidierende Interessen, aufeinander abzustimmende Systeme und zu überwindende Herausforderungen.

 

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Aula, Schülerbeteiligung und die Kompetenzen der Zukunft

Die 4Ks (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken) sind eine Antwort auf die Frage, was Menschen können müssen, wenn problemlösungs- und kommunikationsorientierte Arbeit immer bedeutsamer wird. Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an der Gestaltung von Schule ist eine Möglichkeit, diese Fähigkeiten der Zukunft zu vermitteln.

Dass Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung die Gesellschaft und damit die Bildung vor neue Herausforderungen stellen, ist hinreichend klar. Auf die Frage, wie man diesen Herausforderungen begegnen könne und welche Fähigkeiten bei Menschen auf ihrem Bildungsweg besonders entwickelt werden sollen, identifizierte die Partnership for 21st Century Learning am Anfang des Jahrtausends die “4Cs” als Teil der “21st century skillls”.

Diese lassen sich praktischerweise in 4Ks im Deutschen übersetzen (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken) und sind hier bereits mit der Betonung auf das Digitale wunderbar beschrieben. Diese Kompetenzen bilden im Prinzip das ab, was Menschen können müssen, wenn Maschinen schwere, monotone und auf abrufbarem Wissen basierende Arbeiten übernehmen und problemlösungs- und kommunikationsorientierte Arbeit immer bedeutsamer wird. Es ist deshalb die feste Meinung der Autorin, dass alle innovativen Projekte an Schulen und Hochschulen eine Verantwortung haben, besonders diese Kompetenzen zu fördern.

Das Beteiligungsprojekt aula dient vor allem dem praktischen Erleben von Demokratie und erlaubt Schülerinnen und Schülern, ihre eigenen Ideen zu Unterricht, Schulräumen und Regeln vorzustellen, gemeinsam zu entwickeln, abzustimmen und verbindlich umzusetzen. So wird den Schülerinnen und Schülern nicht nur mehr Mitbestimmung ermöglicht, sondern es werden auch gleichzeitig die wesentlichen Kompetenzen des 21. Jahrhunderts gefördert. Im Folgenden geht es darum zu zeigen, wie mit aula die 4Ks eingebunden und entwickelt werden können und wie der restliche Unterricht davon profitieren kann.

1. Kollaboration

Das gesamte aula Projekt dient in erster Linie der kollaborativen Entscheidungsfindung und dem praktischen Erfahren von Demokratie. Dabei wird besonderer Wert auf eine Form der kollaborativen Ausarbeitung von Ideen gelegt, die vor allem digital gut funktioniert. Zu einer einmal eingestellten Idee können von anderen Teilnehmern Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Diese Verbesserungsvorschläge können von Allen positiv oder negativ bewertet werden. Die Autoren der Idee sehen dadurch, welche Verbesserungsvorschläge besonders beliebt sind und ihrer Idee viele Stimmen hinzufügen würden. Sie können ihren Ideentext dahingehend ändern, dass sie die Verbesserung einarbeiten. So kommt ein demokratisch kollaboratives Schreiben zustande. Durch die Bewertungsfunktion ist der Mechanismus „klüger“, als eine bloße Sammlung ungewichteter Verbesserungsvorschläge. Die Kollaboration wird hier genutzt, um stichhaltige, komplexe Ideen zu entwickeln, obwohl die einzelnen Teilnehmenden nicht über viel Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Digitale Kollaboration gibt hier einen Mehrwert.

Zudem fördert aula die Kollaboration zwischen den verschiedenen Beteiligten des Schulgeschehens. Schon bei der Einführung müssen zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonal, Elternvertretung und Schulleitung Verträge geschlossen und Interessen verhandelt werden. Verschiedene Interessensgemeinschaften entstehen aus Einzelnen, die vorher nicht viel miteinander zu tun hatten. Diese Kollaboration ist zielgerichtet und bereitet auf die Gestaltung zukünftiger Interessensgemeinschaften vor.

2. Kreativität

Wenn man mit jungen Menschen im demokratiepädagogischen Bereich arbeitet, fällt schnell eine etwas auf: Es gibt eine gewisse Hemmung, eigene Ideen zu entwickeln. Vielen Schülerinnen und Schülern fällt es schwer, sich eine ideale Schule vorzustellen. Selbst wenn die Aufgabe lautet sich die ultimative Schule ohne Beschränkungen vorzustellen, kommen häufig Anregungen zur Verbesserung der Situation auf den Toiletten oder zu überdachten Fahrradständern. Auch wenn das durchaus reale Problematiken der Schülerinnen und Schüler sind, fällt doch auf, dass sie zunächst wenige komplexe und weitreichende Ideen entwickeln. Auch Jugendverbände der Gewerkschaften beklagen, dass die jungen Auszubildenden kaum Wünsche zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen äußern.

Psychologen sprechen hierbei von „erlernter Hilflosigkeit“. Als Anpassung an ein vergleichsweise autoritäres System können viele Schülerinnen und Schüler nicht mehr so gut visionäres Denken entwickeln. Dies aber ist eine Voraussetzung für Kreativität. Um neue Wege zu finden, muss man erstmal Ziele definieren. Das Wünschen-Können ist eine Kernkompetenz der Zukunft, da es die Triebfeder der Innovation ist. Da aula vor allem der Umsetzung eigener Ideen dient, bietet es Raum, das eigene visionäre Denken Schritt für Schritt zu erweitern. Wenn Schülerinnen und Schüler sich darüber unterhalten, was an ihrer Schule besser werden kann, inspirieren sich gegenseitig und werden mutiger.

Die Ergebnisse des Projekts bringen Kreativität dadurch hervor, dass sie die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler mit den bisherigen Rahmenbedingungen der Schule kollidieren lassen. Ein Beispiel für ein solches Zusammentreffen zweier Welten und die daraus resultierende Kreativität entstand in Freiburg, als in aula positiv über einen “Smartphone-Tag” abgestimmt wurde. An diesem Tag mussten alle Lehrerinnen und Lehrer das Smartphone irgendwie sinnvoll in ihren Unterricht einbinden. Von Sport bis Musik entstanden so neue und innovative Unterrichtskonzepte, die ohne die Einmischung der Schülerinnen und Schüler so nicht zustande gekommen wären.

3. Kritisches Denken

Bevor eine Idee bei aula in die Abstimmung kommt, kommt sie auf den Tisch der Schulleitung. Diese vergleicht die Idee mit dem Vertrag, der zuvor mit der Schulkonferenz aufgesetzt wurde. Darin sind die Grenzen und Freiheiten der Beteiligung durch die Schülerinnen und Schüler definiert. Eine neue Idee wird verbindlich umgesetzt, wenn sie mit geltendem Recht inklusive des Schulgesetzes vereinbar ist, sich nicht in die Personalpolitik der Schule einmischt, kostenneutral ist, etc. Bei jeder neuen Idee gibt es also viele Punkte zu beachten, bevor die Schulleitung grünes Licht gibt. Um all diese Punkte diskutieren und einarbeiten zu können, gibt es eine zweiwöchige Ausarbeitungsphase für jede Idee. Darin werden sowohl online wie auch offline Fragen und Verbesserungsvorschläge für die Idee formuliert.

Wenn man eine Idee sieht, wie z.B. mehr Fahrradständer, dann liegt es erstmal nahe, zuzustimmen und zu sagen: „Ja, das ist eine gute Idee, das will ich, lasst uns darüber abstimmen“. Das aula-Projekt ist aber so angelegt, dass es eine explizite Phase gibt, in der an die Idee kritische Fragen formuliert werden müssen. „Was kostet das?“, „Wie bezahlen wir dafür?“, „Wo werden die Ständer aufgestellt?“, „Aus welchen Materialien sollen sie sein?“, „Haben wir dann noch genug Platz zum Fußball spielen?“.

Dieser Prozess, der am Anfang stärker von Lehrkräften begleitet und nach und nach immer selbstständiger ablaufen soll, fungiert als ein mentaler Entschleuniger. Denn nicht alles in der digitalisierten Welt wird schneller. Je mehr Information und Freiheit wir haben, desto mehr müssen wir ab und an innehalten und reflektieren. Diese Kompetenz wird mit aula explizit angesprochen. Die eigenen Ideen hinterfragen, kritische Fragen an sich selbst stellen, mehrere Aspekte und Perspektiven eines Problems in Betracht ziehen. Hierfür ist neben der Möglichkeit online Verbesserungsvorschlägen zu formulieren, vor allem die aula-Stunde wichtig. Hier können sich die Beteiligten noch einmal in kleineren Gruppen (Zum Beispiel dem Klassenverbund) auseinandersetzen, diskutieren und Hilfestellung durch andere bekommen. Denn in der mündlichen Auseinandersetzung bekommen auch weniger engagierte Schülerinnen und Schüler das kritische Hinterfragen von Ideen mit.

Ein weiterer Aspekt des kritischen Denkens findet sich auf interpersoneller Ebene. Es gibt die Möglichkeit, bei der Abstimmung die eigene Stimme zu delegieren, sprich sie nicht selbst zu nutzen, sondern an jemanden zu übertragen. Wenn man sich selbst nicht genug mit einem Thema auskennt, keine Zeit für Beteiligung oder einfach kein großes Interesse für den Ausgang einer Abstimmung hat, kann man die eigene Stimme an eine Person delegieren, die einem selbst kompetenter, engagierter oder zeitlich flexibler erscheint.  Dabei werden Schülerinnen und Schüler zur Reflektion darüber gezwungen, wie gut sie sich selbst mit einem Thema auskennen, wer kompetent und vertrauenswürdig ist und ob diese Person ihre Stimme nach einer gewissen Zeit noch angemessen vertritt. Diese Fähigkeiten sind zentral ganz besonders in repräsentativer Demokratie. Sie verbessern die Qualität der Beteiligung und die Repräsentation der Wählerinteressen. Sie geben jungen Menschen außerdem ein Gefühl für ihre eigenen Kompetenzen und das Vertrauen, das andere in sie setzen können und erhöhen so die Selbstwirksamkeit.

4. Kommunikation

Da so ziemlich alles Kommunikation ist, muss dieses Ziel spezifiziert werden. Im Rahmen der relevanten Kompetenzen für die Zukunft ist hier die Fähigkeit zur zielgerichteten und effektiven Kommunikation gemeint, also die Wahl von angemessenem Kanal und Sprache unter den spezifischen Konventionen des jeweiligen Mediums. Die Kommunikation bei aula soll nachhaltig sein und findet deshalb auf einer Vielzahl von Kanälen statt. Online werden Ideen schriftlich eingestellt und mit schriftlichen Verbesserungsvorschlägen versehen. Dabei hat aula keine “Kommentarfunktion”, wodurch besonders die Kompetenz des problemlösungsorientierten Feedbacks gefördert wird, die vielen Online-Diskussionen abgeht. Zu Ideen lassen sich nur Verbesserungsvorschläge einstellen. Die beginnen stets mit dem gedachten Satz: “Ich stimme deiner Idee zu, aber nur wenn…”. Diese Fähigkeit wird im Unterricht im Rahmen des aula-Projekts geübt. Diese Art der Online-Kommunikation erlaubt Problemlösungsprozesse, die einen Anfang und ein Ende haben und dabei den Ideengeber nicht beleidigen. Das unterscheidet sie, beispielsweise, von einer Facebook-Diskussion.

Ansonsten findet die Kommunikation bei aula aber auch ganz explizit auf Offline-Kanälen statt. So gibt es im Optimalfall zum Beispiel eine regelmäßige aula-Stunde, in der Ideen mündlich vorgestellt und weiterentwickelt werden. Zu Zwecken der Werbung für die eigene Idee oder eine anstehende schulweite Abstimmung werden auch Plakate geklebt, Snapchat-Stories gebaut, WhatsApp-Nachrichten verschickt, Lautsprecher-Durchsagen gemacht und Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben.

Die Vielfalt der Kanäle wird im Lehrleitfaden betont und gezielt genutzt. Das fördert bei Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit, einen für eine Aufgabe geeigneten Kanal zu suchen und ihn effektiv einzusetzen. Wann braucht eine Frage zu einer “Idee” eine persönliche Unterredung mit der Schulleitung? Was muss hingegen transparent bei der Schulversammlung angesprochen werden? Welche Informationen sollten schriftlich  und welche lieber über den Lautsprecher verbreitet werden? Wie nutzen wir das schwarze Brett effektiv? Nur im Ausprobieren erleben Schülerinnen und Schüler die feinen Unterschiede zwischen verschiedenen Formen schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Teilnehmer, die die deutsche Sprache noch lernen, können dabei andere Ausdrucksformen bevorzugen, als eloquente Muttersprachler. Die Hauptsache ist, dass alle eine eigene Ausdrucksform finden und einem kritischen Vergleich unterziehen können.

Dies war ein grober Überblick, wo aula beispielhaft Kompetenzen fördert, die nicht nur in  anderen Unterrichtsfächern, sondern auch in der beruflichen Zukunft und dem sozialen Leben der Schülerinnen und Schüler hoch relevant ist. Da das Projekt stets aktuelle Probleme rund um die Schule behandelt, tauchen viele Spezialfälle auf, die die eine oder andere Kompetenz auf andere Weise fördern. So mussten die Schülerinnen und Schüler in Freiburg eine zu niedrige Wahlbeteiligung analysieren und eigenständig Maßnahmen dagegen entwickeln; in Nottuln mussten sie ihre Lehrerinnen und Lehrer von den Vorteilen des Systems überzeugen; in Jena muss aula mit den anderen Möglichkeiten der Beteiligung verzahnt werden.

Kollaboration, Kreativität, Kommunikation und kritisches Denken werden in erster Linie da erlernt, wo gemeinsam Verantwortung getragen wird. Diese Kompetenzen können nicht erworben werden, wenn sie nicht angewandt werden müssen und Verantwortung kann nicht gelernt werden, wenn sie nicht gegeben wird.

Es ist deshalb wichtig, das scheinbare Risiko der Verantwortungsabgabe an Schülerinnen und Schüler zu wagen. Das Risiko, dass sie in der digitalisierten Welt ohne die Fähigkeit zum vernetzten Problemlösen dastehen und mit Computerprogrammen um Arbeit konkurrieren müssen, ist weit größer. Deshalb lohnt es sich, diese Kernkompetenzen immer wieder mit all ihrem vielschichtigen Inhalt zu betrachten und die eigene Lehre und eigene Projekte zu hinterfragen:

Fördere ich die Fähigkeiten, die in diesem Jahrhundert dringend gebraucht werden?

Titelbild by FotoEmotions,   CC0 Public Domainon pixabay.com– Eigene Bearbeitung

Ideen für zeitgemäßen Unterricht: Der „Smartphone-Tag“ in Freiburg

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Auf dem Gang neben dem “Lozzi-Café” werden Rap Videos gedreht, vor dem Chemie-Raum entsteht eine Snapchat- Story, neben der Sporthalle blitzen die Displays einer Gruppe ungeduldiger SchülerInnen, die endlich loslaufen wollen. Es ist Smartphone-Tag an der Pestalozzi-Realschule Freiburg. Die Idee, einen ganzen Tag lang in jeder Unterrichtsstunde mit dem Smartphone zu arbeiten, wurde von den SchülerInnen mittels “aula” diskutiert und mehrheitlich beschlossen. Das aula-Team war vor Ort, um sich so viele Stunden wie möglich anzuschauen und mit Lehrenden und SchülerInnen über ihre Eindrücke und Erfahrungen zu sprechen.

An einem Dienstag Anfang Juli ist das Smartphone an der Freiburger Realschule interaktives Schulbuch, Kamera, Aufnahmegerät, Taschenrechner, Pulsmesser, Kalorienzähler, WLAN-Router, und vieles mehr. Es inspiriert SchülerInnen und Lehrende zu kollaborativem und kreativem Arbeiten und erweitert (bei stabilem WLAN) das Spektrum der Interaktionen zwischen Lehrenden und SchülerInnen um ein Vielfaches.

Bei der Beobachtung all dieser vielseitigen Möglichkeiten in verschiedener Unterrichtsstunden kommt man nicht an der Frage vorbei: Warum ist eigentlich nicht jeden Tag Smartphone-Tag? Ein paar Eindrücke des Tages und Gedanken einiger Lehrenden haben wir in einem Video zusammengefasst:

Wie in dem Video deutlich wird, sind es vor allem die Rahmenbedingungen die durch den Smartphone-Tag sichtbar werden, aus denen man viel lernen kann.

Kollaboratives Arbeiten zwischen allen Beteiligten

Besonders beeindruckend ist, wie sehr der Smartphone-Tag SchülerInnen, Lehrende und externe Menschen dazu animiert hat, zusammenzuarbeiten. Zunächst haben die SchülerInnen die Durchführung dieses Tages selbst beschlossen. Dazu brauchte es im Vorfeld einiges an Abstimmung der SchülerInnen untereinander. Via aula haben sie miteinander und gemeinsam mit Lehrenden diskutiert, ob und wie es Sinn macht, einen solchen Tag durchzuführen. In den 13 Verbesserungsvorschlägen zu der Idee auf der aula-Plattform der Schule, wiesen insbesondere die SchülerInnen darauf hin, dass für einen solchen WLAN-Tag stabiles Internet wichtig ist.

“Das ist eine gute Idee aber, falls es öfters gemacht werden soll sollte die schule aber auch nur dafür gratis „Internet“ geben, denn wenn es zb. 2 – 3 in der Woche stattfindet geht ja das Datenvolumen leer oder andere haben zb. gar kein Datenvolumen mehr.”

Die konkrete inhaltliche Ausgestaltung des Tages wurde dann teils kollaborativ im Kollegium, teils in direkter Absprache zwischen LehrerInnen und SchülerInnen geplant. Bemerkenswert war außerdem der Input an weiteren Ideen, der über ein öffentliches Pad zustande kam. Die Bitte um Mitarbeit, die der SMV- Beauftragte und Chemielehrer Dejan Mihajlovic über verschiedene soziale Netzwerke verbreitet hatte, wurde nicht nur vielfach geteilt, sondern brachte auch einige interessante Anregungen hervor.

Schulen brauchen Unterstützung

Schulen brauchen außerdem dringend Unterstützung bei der Nutzung digitaler Technologien im Unterricht, wie Schulleiter Carlos Santos-Nunier im Interview erläutert. Um im täglichen Schulbetrieb gute Unterrichtspraxis sowie die nachhaltige Einführung digitaler Medien zu gewährleisten, sind technische und personelle Ressourcen notwendig. Bei der Aufstockung technischer Ressourcen geht es um WLAN und die technische Ausstattung der SchülerInnen. Die vielen kleinen Behelfskonstruktionen, bestehend aus mobilen Routern, Hotspots und dem Datenvolumen der SchülerInnen können für einen Tag Abhilfe schaffen, sind aber keine Dauerlösung.

Dazu kommt die Frage um Sinn und Unsinn von BYOD. Denn bereits in den wenigen Stunden des Smartphone-Tages werden einige Grundprobleme in der Nutzung von Eigengeräten offensichtlich: Nicht jeder und jede hat ein Smartphone und die vorhandenen Geräte sind unterschiedlich arbeitsfähig.

Social Media im Unterricht: Grenzen durch Gesetze

Eine weitere Diskussion, die im und neben dem Smartphone-Tag immer wieder auftaucht, ist die Frage nach der gesetzlichen Grenze der digitalen Kommunikation zwischen SchülerInnen und LehrerInnen. In Baden Württemberg ist es bereits seit 2013 für Lehrende verboten, mit ihren SchülerInnen über Social Media zu kommunizieren. Gestattet ist die Nutzung lediglich dazu, die Funktionsweise, Vor-, Nachteile und Risiken „pädagogisch aufzuarbeiten“. Auch hier stellt sich die drängende Frage nach Sinn und Nutzen dieser Regelung. Digitale Arbeitsmaterialien und Aufgaben müssen irgendwie bearbeitet und verbreitet werden. Sich in Kommunikation und Datenaustausch nur auf Email und USB-Sticks zu verlassen ist nicht nur unpraktisch sondern
geht völlig an der Lebensrealität von SchülerInnen wie auch immer mehr Lehrenden vorbei.

Das Thema bewegt die Öffentlichkeit

Nicht zuletzt zeigt der Smartphone Tag auch ein wachsendes Interesse der Öffentlichkeit an “Digitale Medien” in der Schule. Neben dem SWR Radio, das bereits zeitnah einen kurzen Beitrag über den Smartphone-Tag veröffentlicht hat, begleitete eine Redakteurin der Badischen Zeitung die Vorgänge des Tages intensiv (Der Bericht wird am 21. 7. veröffentlicht).

Das lässt hoffen, dass auch vermehrt politische EntscheiderInnen erreicht und davon überzeugt werden, Schulen die Ressourcen für einen zeitgemäßen Unterricht bereitzustellen.

 

Digital ist nicht genug: Ideen zu zeitgemäßer Bildung nach dem educamp

Das aula-Team war beim educamp in Bad Wildbad. Dort wurden wir nicht nur von Barcamp-Newbies zu absoluten Fans des Formats, sondern haben seitdem die leise Ahnung, es hier mit dem Kern einer neuen, zeitgemäßen Bildungsbewegung zu tun zu haben. Dabei ist eines ganz klar geworden: Bildung muss nicht nur digital, sondern auch partizipativ gedacht und gelebt werden. Und es wird Zeit, das umzusetzen.

Aula und die Bildungsdebatte

Ich bin keine Bildungsexpertin. Als große Anhängerin von “Partizipationsthemen” in Theorie und Praxis, kam ich eigentlich erst vor etwa 2 Jahren über Marina Weisbands ambitionierten Plan, Mitbestimmung über eine Online-Plattformen an Schulen zu beleben, mit Bildungsthemen in Kontakt. Seit dem Sommer 2016/17 arbeitet das aula-Team (Marina Weisband, Daniel Schumacher und ich) bei politik-digital e.V. mit vier Pilotschulen in Deutschland, geben Workshops für SchülerInnen, LehrerInnen und versuchen, alle Beteiligten bei der Integration von aula in den Schulalltag zu unterstützen. Die Arbeit an den Schulen ist zugleich unglaublich bereichernd und anstrengend. Viele Dinge klappen in der Praxis nicht so wie zuvor geplant und gehofft: es kam und kommt immer wieder zu Verzögerungen und Phasen der Stagnation und des Motivationsverlustes.

Ein normaler Verlauf für “Projekte” aller Art, haben wir uns sagen lassen. Trotz oder vielmehr wegen dieser Erfahrungen sehen wir inzwischen deutlich, dass das, was wir mit aula machen, wirklich auf einen Bedarf stößt. Ein Bedarf der zwar in vielen, spezifischen Debatten diskutiert wird, aber bisher keine breite Öffentlichkeit gefunden hat.

Das, was bereits seit Monaten in unseren Köpfen, den Pilotschul-Klassenräumen und unserem politik-digital-Büro waberte, fand mit einem Mal einen lebendigen Ausdruck: Das Educamp in Bad Wildbad. Neben einer neuen Leidenschaft für dieses tolle, offene Format (#jetztnurnochbarcamps) mit ebenso engagierten wie inspirierenden Menschen und konstruktivem Input, nahmen wir vor allem neue Erkenntnisse mit. Erkenntnisse zum einen über unser Projekt selbst,  was wir bei unserem Ansatz bisher gut gemacht und was wir übersehen haben (ein weiterer Text dazu folgt).  Zum anderen Erkenntnisse darüber, wie neue und alte Herausforderungen in Bildung, Politik und Digitalisierung miteinander zusammenhängen und welchen Beitrag wir vielleicht dazu leisten können.

Kernkompetenzen zeitgemäßer Bildung: Das 4K-Modell

Auf dem educamp ist an vielen Stellen besonders eines deutlich geworden: Dass zeitgemäße Bildung sowohl digital als auch partizipativ organisiert sein muss, um jungen Menschen die Chance zu geben, offene, und kritische Erwachsene zu werden, die kreativ mit Herausforderungen umgehen und sich anderen Menschen gegenüber mitfühlend verhalten. Genau dazu kam eine besonders spannende und wegweisende Diskussion nach dem Input von Dejan Mihajlovic zum 4K-Modell des Lernens zustande.

Beim 4K-Modell werden die Fähigkeiten “Kommunikation, Kreativität, Kritisches Denken und Kooperation” vor dem Hintergrund aktueller, auch digitaler Herausforderungen als Kernkompetenzen verstanden, die jede und jeder braucht, um im im 21. Jahrhundert ein gutes Leben leben zu können. Dass dieses Modell deutlich über das hinausgeht, was aktuell an Fähigkeiten vermittelt wird, bestätigten nahezu alle Wortbeiträge der Diskussion nachhaltig. Insbesondere die Aussage eines Menschen, dem bei seinen einleitenden Worten “Ich komme aus der Wirtschaft” – bei aller Offenheit- zunächst der Stempel des Lobbyisten anhaftete. Was er dann sagte, war aber sehr spannend. Er arbeite bei HP und der Konzern habe wahnsinnige Probleme dabei, Nachwuchs zu finden. Er sprach von “stromlinienförmigen Lebensläufen”, von Menschen, die “ganz viel wissen, aber nicht arbeiten können” und nur auf “Selbstoptimierung und Egoismus” gepolt seien. Der darauf folgende Einwand, es sei “Interessant, dass so etwas jetzt aus der Wirtschaft kommt, weil Bildung ja gerade erst ökonomisiert wurde” spiegelte einen Teil der Verblüffung wider, die man in den Gesichtern lesen konnte.

Die Diskussion um das 4K-Modell macht eines sehr deutlich: Irgendwie laufen in der deutschen Schul- und Ausbildungslandschaft Theorie und Praxis aktuell überhaupt nicht zusammen. Weil Schulen kaum Räume dafür bieten, die mit 4K abgebildeten Kompetenzen zu erwerben und anzuwenden, muss sich etwas ändern und mindestens alle dort Anwesenden sind gewillt, diese Veränderungen mitzugestalten. Was das Educamp hier leisten kann, ist neben Netzwerken und Erfahrungsaustausch daher vor allem auch das Sammeln praktischer Erfahrungen. Weil in der Ausbildung von LehrerInnen wenig (bis keine) Zeit auf die Vermittlung von Kompetenzen in digitalen Bereichen und zeitgemäßer didaktischer Methoden verwendet wird, ist das educamp vor allem auch ein Labor für das Ausprobieren neuer, digitaler Tools (Artikel folgt). Und auch hier bewirkt die spontane Struktur des Barcamps, dass von der Einzel-Session für NeueinsteigerInnen rund um das Thema Digitales bis zur Spielwiese für Fortgeschrittene und Nerds nahezu alles möglich ist.

Daneben finden auch die notwendigen Meta-Diskussionen anhand praktischer Beispiele statt, von denen es nächstes Mal gerne noch mehr geben dürfte. Da gab es ein kontroverses Gespräch von  zu “Lobbyismus in der Bildung”, das mit der Frage endete, was eigentlich unsere eigenen “Bildungs-Interessen” von denen der “Menschen aus der Wirtschaft” qualitativ unterscheidet. Ist es das Geld? Ist es der Bildungsraum, der auch Schutzraum sein muss? Oder ist es am Ende so, dass  ein transparenter Umgang mit Lobbyismus und InteressensvertreterInnen sogar hilfreich für SchülerInnen sein kann, weil “Beeinflussung” überall stattfindet und sie so lernen, diese besser zu erkennen?

Dann gab es die Reflektionsrunde “Mit Medien über Medien nachdenken”, in der sich die Anwesenden nach dem Beitrag von Philosophielehrer Dominik Schöneberg darüber austauschten, wie man innerhalb und außerhalb des Philosophieunterrichts kritisches Denken zu Medien verankern kann. In der lebhaften Session von Guido Brombach ging es um “Das Digitale und das Politische”. Hier wurde es richtig “meta” – denn Guidos Kernthese: “Wir versuchen, das Digitale mit dem Analogen zu erklären und laufen damit Gefahr, ein falsches Bild zu bekommen” ist ebenso wahr wie schonungslos. Auch wenn manche es sich ganz offen oder insgeheim wünschen: Das Digitale geht nicht mehr weg und ist auch nicht getrennt von der sogenannten “Analogen Welt”. Deswegen ist es wichtig, die spezifische Dynamik des Digitalen in allen Lebensbereichen und in der Bildung im Speziellen zu verstehen und in die Praxis zu integrieren.

Eine neue Bildungsbewegung?

Es mag einem Barcamp- und Bildungseinsteigerinnen- Enthusiasmus geschuldet sein, aber ich habe das Gefühl, hier mit Menschen in Kontakt gekommen zu sein, die Teil einer neuen, eben zeitgemäßen Bildungsbewegung sind. In jedem Fall gibt es wirklich viel zu tun. Und weil das so ist, versteht sich dieser Text als erster Diskussionsbeitrag von politik-digital und dem aula-Team in die Debatte um zeitgemäße Bildung.

Was in jedem Fall folgt, ist ein Beitrag zum Stand von “aula” und der Bedeutung von Partizipation innerhalb der Debatte sowie ein Überblick über digitale Tools, die wir inzwischen kennen gelernt haben.  Darüber hinaus möchten wir einige Beobachtungen teilen, die wir während der Praxisphase von aula gemacht und die sich beim Educamp zu Thesen verstetigt haben. Diese Thesen betreffen die aktuellen Herausforderungen von LehrerInnen und SchülerInnen im deutschen Bildungssystem. Und weil eine Debatte von kontroversen Beiträgen lebt, sei an dieser Stelle bereits erwähnt, dass wir uns über künftige Gastbeiträge genauso freuen wie über Kritik, Ergänzungen und konstruktive Gegenrede.

Titelbild: @frausonnig via twitter 

aula Crowdfunding gestartet

gemeinschaftscrowd collage

Worum geht es?  

Schule ist mehr als Mathe und Deutsch. Mit aula könne SchülerInnen eigene Ideen zur Gestaltung ihrer Schule verwirklichen und so demokratische Beteiligung direkt erfahren. Vier mutige Schulen in Hamburg, Jena, Nottuln und Freiburg sind aktuell dabei aula in ihren Schulalltag zu integrieren und dabei wollen wir ihnen helfen! Damit die SchülerInnen den Erfolg einer Idee vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung erleben zu können, sollen sie ein eigenes Budget bekommen. Dafür brauchen wir Eure Unterstützung!

Wie funktioniert es?

Auf www.gemeinschaftscrowd.de hat jede Schule ihre eigene Crowdfunding- Seite. Jeder Euro, den Ihr spendet, wird freundlicherweise von der Stiftung GLS Treuhand  bis insgesamt 3000 Euro gematcht, das heißt: verdoppelt. Alles was darüber hinaus durch Euch zusammenkommt ist natürlich ebenfalls sehr willkommen! 100% der gespendeten Summe geht dann direkt an die SchülerInnen der jeweiligen Schule.

 

Ihr wollt direkt zum Crowdfunding einer Schule? 

Das Crowdfunding der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg findet ihr hier.

Das Crowdfunding der Jenaplanschule in Jena findet ihr hier.

Das Crowdfunding des Gymnasiums in Nottuln findet ihr hier

Das Crowdfunding der Pestalozzi-Schule Freiburg findet ihr hier.

Einführung von aula in Nottuln

Tief im Westen,  eine halbe Stunde von Münster entfernt – liegt die Gemeinde Nottuln. Mit gerade einmal 20.000 EinwohnerInnen ist Nottuln unser „ländlichster“ aula-Standort. Für uns ist das Gymnasium Nottuln eine Chance  zu testen, ob und wie aula funktioniert, wenn es (zunächst) nur von einem Teil der Schule genutzt wird. Als Motor für die Einführung von des Projekts in Nottuln fungierte der Leistungskurs Sozialwissenschaften und einige weitere Klassen und Kurse.

nottuln schildDas Gymnasium in der westfälischen Gemeinde erinnert mit seinen zahlreichen Pavilions und den dazwischen gelegenen Pausenhöfen an eine amerikanische Highschool. Die SchülerInnen sind politisch sehr aktiv und veranstalten beispielsweise regelmäßig das „Polit-Café„.

Das aula-Projekt startete in Marina und Alexa in NottulnNottuln etwas verspätet im  Oktober mit einem sehr gut besuchten Workshop für ModeratorInnen. Das aula-Team zeigte den SchülerInnen nicht nur die einzelnen Funktionen und künftigen Aufgaben, sondern diskutierte mit den Anwesenden auch über den aula-Vertrag, der zwischen den SchülerInnen, LehrerInnen und der Schulleitung geschlossen wird und die Rahmenbedingungen an der Schule absteckt.

Mitte November gaben Alexa und Daniel an zwei Tagen in mehreren Doppelstunden die Einführungsworkshops für alle Beteiligten. Es gab eine rege Diskussion über Schülermitbestimmung und – nach einer ersten Einführung in die Software – auch die ersten Ideen, wie das Gymnasium Nottuln und die teilnehmenden Kurse verbessert werden könnten.

Gestartet sind wir mit rund 10 Kursen, die aula in ihren Schulalltag integrieren wollten. Bei jedem Besuch wuchs das Interesse und immer mehr SchülerInnen und LehrerInnen schließen sich dem aula Projekt an. Momentan werden die ersten Ideen ausgearbeitet.

 

Einführung von aula in Hamburg

Unsere Perle im Norden ist Hamburg. An der Stadtteilschule am Hafen, die auf verschiedene Standorte in der Stadt verteilt ist, nimmt die komplette Oberstufe am Projekt aula teil. Direkt hinter dem Stadion des FC St. Pauli bereiten sich hier Schülerinnen und Schüler auf ihr Abitur vor. Bei der Auswahl der Pilotschulen war es uns wichtig, stellvertretend für die heterogene Schullandschaft in Deutschland, unterschiedliche Schultypen, Regionen und Herausforderungen abzubilden. Die kulturelle Vielfalt der  Stadtteilschule am Hafen mit ihren Stärken und Schwächen macht sie besonders spannend für unser Projekt.

Wie in Freiburg startete das aula Projekt in Hamburg im September. Zwei Tage lang gaben das aula-Team mehrere Einführungsworkshops in den jeweiligen Jahrgangsstufen. Den Anfang bildete ein kleines Planspiel, bei dem die Schülerinnen und Schüler das Liquid Democracy-Prinzip kennen lernten. Nach einigen Worten zur demokratischen Mitbestimmung, stellten Marina,  Alexa und Daniel die Grundfunktionen der Plattform vor. Die Schülerinnen und Schüler durften anschließend die Software selbst entdecken und begannen ihre ersten eigenen Ideen zu entwickeln.

In den folgenden Wochen bekamen die (Schüler-)Moderatorinnen und Moderatoren eine Extra-Schulung in einer Doppelstunde. Die kleine Gruppe wird künftig erste Anlaufstelle für Fragen der Schülerinnen und Schüler sein und administrative Aufgaben in Hamburg übernehmen.

Ende Januar waren wir noch einmal in Hamburg. Nachdem es kleine Verzögerungen gab, wird aula jetzt im zweiten Halbjahr in den Schulalltag eingebunden. Oliver Ostmann, Lehrer und aula-Ansprechpartner an der Stadtteilschule am Hafen, über den aktuellen Stand in Hamburg:

Einführung von aula in Freiburg

Im September und Oktober ist das aula Projekt auch an der Pestalozzi-Realschule in Freiburg angelaufen. „All-In“ heißt es an unserer südlichsten Pilotschule, denn hier ist die komplette Schule dabei. Von der 5. bis zur 10. Klasse – über 250 Schülerinnen und Schüler nehmen damit in Freiburg am Projekt aula teil. Die aula-Einführung dauerte deshalb in Freiburg etwas länger.

In zahlreichen Workshops über mehrere Tage hinweg besuchten Alexa Schaegner und Daniel Schumacher jede einzelne Klasse. Sie gaben jeweils in einer Doppelstunde am Anfang einen kurzen Einblick in die Theorie. Anhand kleinerer Beispiele und einem Gedankenspiel erörterten Alexa und Daniel die Bedeutung von Demokratie und (Schüler-)Mitbestimmung. Im Mittelpunkt der Einführungsworkshops stand die praktische Arbeit mit der Software. Nachdem sich alle Schülerinnen und Schüler das erste Mal eingeloggt hatten, konnten sie erste Ideen auf der Plattform einstellen.

Die Ideen reichten von einem „Snackautomaten“ über einen neuen Fußballplatz bis hin zur Handynutzung im Unterricht. Interessant war die Vielfalt der Ideen und gleichzeitig die Homogenität, die einige Vorschläge von der 5. bis zur 10. Klasse aufweisten. Die Plattform kam bei den Jugendlichen sehr gut an, durch die einfache Handhabung konnten die Schülerinnen und Schüler die meisten Funktionen selbst entdecken.

Nach den Einführungsveranstaltungen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern verschiedene Entwürfe für den aula-Vertrag, welcher die Rahmenbedingungen für das Projekt setzt. Die Schulleitung in Freiburg unter Rektor Carlos Santos-Nunier entschied sich für den am weitesten gefassten Entwurf, sodass die Schülerschaft über viele Dinge auf aula entscheiden kann. Am 29. November startete aula in Freiburg mit einer offiziellen Auftaktveranstaltung. Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitung erhoffen sich einiges vom Projekt. Einige Gedanken formuliert Verbindungslehrer Dejan Mihajlović im Video:

Wenn ihr mehr zum Start von aula in Freiburg wissen möchtet, könnt ihr auch den Blogpost von Dejan Mihajlović hier lesen.