Pilotschulen

Die Pilotschulen

Zu den vier Pilotschulen gehören die Jenaplan-Schule in Jena, die Pestalozzi-Realschule in Freiburg, die Stadtteilschule am Hafen in Hamburg und das Rupert-Neudeck-Gymnasium in Nottuln. Vier ganz verschiedene Schulen in ganz verschiedenen Bundesländern. Alle haben sich dazu entschieden, die ersten zu sein, die das aula-Projekt ausprobieren. Dazu, wie das läuft, erhalten Sie immer wieder Einblicke in unserem Blog.

  • Neues aus Nottuln

Wie im Parlament: SchülerInnen in Nottuln diskutieren Budgetfragen

aula an einer Schule einzuführen ist an sich schon ein zutiefst politischer, demokratischer Akt. Oft zeigen sich gerade am Ringen um die Grenzen der Beteiligung , die Umsetzungsform und die Rollenverteilungen interessante Fragen und Konflikte, deren Bearbeitung demokratische Kompetenzen der beteiligten Schülerinnen und Schüler schon steigert, bevor irgendeine Onlinebeteiligung stattgefunden hat.

Ein Beispiel dafür ergab sich jüngst am Rupert-Neudeck-Gymnasium Nottuln. Hier sind die Schülerinnen und Schüler in der ausnehmend guten Situation, dass sie einen regelmäßigen und etablierten Schülerhaushalt haben. Schon vor aula konnten sie also jährlich über ein Budget von mehreren Tausend Euro selbst verfügen und demokratisch entscheiden. Normalerweise ist es der Ansatz von aula, solche bereits etablierten Beteiligungsformen in das Konzept einzuarbeiten und mit ihnen zu interagieren. Hier wäre das besonders praktisch, weil der Schülerhaushalt in einer ähnlichen Form abgestimmt wird, wie Ideen per aula (Ideen werden gesammelt, dann veröffentlicht, diskutiert und schließlich abgestimmt). Der nächste Schülerhaushalt wird etwa im November durchgeführt.

Auch für aula haben die Schülerinnen und Schüler in Nottuln mit Hilfe der GLS Treuhand per gemeinschaftscrowd.de ein Budget von insgesamt 3878€ gesammelt, das durch das im Rahmen von aula demokratisch verteilt werden kann. Auch die Abstimmung darüber war etwa für November geplant. Es läge nun nahe, beispielsweise beide Budgets zusammen zu legen und zusammen auszugeben, da sie demselben Prinzip und derselben Zielsetzung folgen. Allerdings ist das Gymnasium in Nottuln nicht nur die einzige der vier Projektschulen von aula, die bereits über einen Schülerhaushalt verfügt, sondern auch die einzige, in der aula nicht schulweit installiert ist, sondern nur in einzelnen Lerngruppen (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 7).

Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer in Nottuln haben Zeit, mit ihren Lerngruppen an aula teilzunehmen, sodass aula als Modellversuch nur in Teilen eingeführt wurde. Das macht ein Zusammenlegen der Prozesse nicht demokratisch, denn nur ein Teil der Schule kann Ideen online per aula diskutieren.

Dieses Problem ist bei einem Treffen der Moderatorinnen und Moderatoren in Nottuln aufgekommen und wurde eifrig diskutiert. Der Prozess des Schülerhaushaltes muss in jedem Fall unberührt bleiben, da es ein etablierter, offener und demokratischer Prozess ist, an dem die ganze Schule teilnehmen kann. Wie aber mit dem aula-Budget verfahren?

Es zeitgleich abzustimmen würde bedeuten, dass die gleiche Idee in beiden Haushalten gewinnen könnte und dann doppelt finanziert wäre. Wie mit dem Geld verfahren, das dann überflüssig ist?

Ein Moderator schlug vor, das aula-Budget durch die sieben Lerngruppen zu teilen und jeder Lerngruppe 554€ zur Verfügung zu stellen. Die sollen in ihren Gruppenräumen bei aula darüber abstimmen, was sie damit machen wollen. “Aber wie wird sich das auf das Schulklima auswirken?”, fragte ein anderer. Effektiv bedeutet das, dass die Lerngruppen, die mit aula arbeiten, dann mehr Geld haben, als alle anderen. Und das nur, weil ihre Lehrer und Lehrerinnen keine Zeit haben, aula mit ihnen einzuführen, weil sie vielleicht in anderen Feldern engagiert sind. Ist das nicht ungerecht? Sollten die aula-Gruppen das Geld nicht ebenfalls für Dinge ausgeben, die der ganzen Schule zugute kommen?

Die Diskussion dauerte insgesamt eine gute Stunde und wurde auf einem Niveau geführt, das auch einem Landtag gut zu Gesicht stünde. Demokratische Verantwortung und Minderheitenschutz wurden abgewogen, sowie der Umgang mit verschiedenen Töpfen, wie sie auch in realen Bedingungen in der Politik zu finden sind.

Die Moderatorinnen und Moderatoren haben folgendes Vorgehen vorgeschlagen: Ideen werden jetzt schon in aula gesammelt. Dieser Prozess passiert parallel mit dem Schülerhaushalt. Von den Diskussionen über die einzelnen Ideen können beide Haushalte gemeinsam profitieren. Die Abstimmung in aula darüber, wie das aula-Budget zu verteilen ist, findet allerdings erst NACH dem Abschluss der Abstimmung des Schülerhaushalts statt. Auf diese Weise wird keine Idee doppelt finanziert und aula bietet noch einmal die Chance, auch Ideen umzusetzen, für die der Schülerhaushalt nicht mehr reicht. Alle Ideen werden in den Schulraum eingestellt. Ob eine Lerngruppe dabei entscheidet, eine Idee einzustellen, dass sie etwas für 554€ für ihren eigenen Klassenraum macht, ist jeder Lerngruppe selbst überlassen. Es muss nur die entsprechende Mehrheit finden. Ferner sollen auch die Lerngruppen, die nicht bei aula mitmachen, die Möglichkeit bekommen, noch mitzumachen. Falls ihre Lehrerinnen und Lehrer aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen wollen oder können, soll niemand sich dazu gedrängt fühlen. Moderatorinnen und Moderatoren aus dem Leistungskurs Sozialwissenschaften bieten an, in einer großen Pause mit zusätzlichen Lerngruppen an aula zu arbeiten.

Bei der Lösung ging es darum, wie niemand benachteiligt wird, besonders nicht engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die keine Kapazitäten mehr für aula haben. Auch der Schülerhaushalt soll ungestört stattfinden, da er ein gutes Beispiel dafür ist, wie Schülerbeteiligung funktionieren kann. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler, die fast 4000€ Spenden für das aula-Projekt gesammelt haben, die Gelegenheit haben, dieses Geld in eine bessere Umgebung für sich und ihre MitschülerInnen zu investieren.

Die Debatte, die zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels noch immer engagiert geführt wird, zeigt, dass die demokratische Kultur am Gymnasium Nottuln lebt und gedeiht. Und dass es nicht fertige, runde Konzepte sind, die politische Kompetenzen am besten ausbilden, sondern gerade unterschiedliche Herangehensweisen, kollidierende Interessen, aufeinander abzustimmende Systeme und zu überwindende Herausforderungen.


  • Neues aus Freiburg

Ein Jahr mit aula – Erkenntnisse eines Lehrers

aula-Freiburg Smartphone

Letztes Schuljahr durfte ich auf einigen Veranstaltungen das aula-Projekt vorstellen und bewerben. Zu dieser Zeit bezog ich mich hauptsächlich auf Konzept und Theorie, weil mir kaum Erfahrungswerte aus der Praxis vorlagen, von denen ich hätte berichten können. Das möchte ich mit ein paar rückblickenden Betrachtungen nachholen, auch weil ich es Leuten versprach, die alles rund um aula über soziale Netzwerke verfolgen.

AULA ≠ SOCIAL MEDIA

Theoretisch ist aula ein soziales Netzwerk. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es hier manche Hürden zu überwinden gilt. Man hat zwar eine eigene Profilseite, kann Beiträge posten, liken und kommentieren. Nur dass… …die Profilseite keine Rolle spielt. …es dazu (noch) keine App und Push-Benachrichtigungen gibt. …es kein offenes soziales Netzwerk ist. …es vorher nicht Bestandteil des Schüleralltags war und von außen eingeführt wurde (Die Entwicklung einer Plattform mit der jeweiligen Schülerschaft hätte sicher zu mehr Akzeptanz geführt, aber auch den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Projekts gesprengt.)

Weil aula nicht allen Mechanismen von sozialen Netzwerken unterliegt, muss man an einigen Stellen mehr Energie investieren. Dass Social Media (gedanklich aus Schülersicht) normalerweise nichts mit Schule zu tun hat, mag auch einen Teil zu der einen oder anderen Startschwierigkeit beigetragen haben. Natürlich stellen weder Attraktivität noch Akzeptanz von Instagram & Co kein realistisches Ziel dar. Dass aula aber mehr als ein Mal die Woche im Schulalltag stattfindet, müsste aber möglich sein. Die Entwicklung einer App für iOS und Android konnte bisher aus Kostengründen leider (noch) nicht umgesetzt werden.

EIN JAHR IST KEIN JAHR

Ein Jahr mit aula war eigentlich gar kein Jahr mit aula. Zu Beginn musste z.B. ein aula-Vertrag ausgearbeitet werden, der erst nach dem Beschluss in der Schulkonferenz (bestehend aus jeweils vier Vertreter_innen der Schülerschaft, des Kollegiums und der Eltern) in Kraft treten konnte. Das war bei uns nicht vor dem 28. November möglich. Somit stand Weihnachten schon vor der Tür und erschwerte einen schwungvollen Einstieg. Aula ist nicht nur ein Projekt, das man nebenher abhandeln kann. Es geht um ein grundlegend verändertes Verständnis von Partizipation. So eine gravierende Veränderung benötigt viel Zeit, Kraft und Kontinuität. Im alltäglichen Schulbetrieb stellt das alle vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Deshalb darf aula nicht die Angelegenheit einer Person oder Gruppe sein, sondern sollte von allen Schultern im System Schule getragen werden. Ein ambitioniertes und langfristiges Ziel, würde ich heute sagen. Ob in den monatlichen Schülerratssitzungen, Stufenversammlungen oder in Lehrerkonferenzen sollte aula ein fester Bestandteil sein und immer wieder reflektiert werden. Ein Umdenken kann nur gelingen, wenn die aula-Stunden nicht nur stattfinden, sondern auch gezielt genutzt werden, um Mitbestimmung in all seinen Facetten zu lernen und zu üben. Es genügt nicht, “nur“ partizipative Elemente zur Verfügung zu stellen und darauf zu verweisen.

  • Über den Autor
Dejan MihajlovicDejan Mihajlovic ist Lehrer an der Pestalozzi-Realschule Freiburg, die seit dem Schuljahr 2016/17 das Projekt aula für uns testet. Zusätzlich arbeitet er als Fachberater für Schul- und Unterrichtsentwicklung beim Staatlichen Schulamt und als SMV-Beauftragter beim Regierungspräsidium.

Auf seinem Blog mihajlovicfreiburg.com schreibt er außerdem über zeitgemäße Bildung

Die größte Wirksamkeit hat aula meiner Meinung nach damit erreicht, bestehende und fehlende Partizipation transparent zu machen und immer wieder die Frage aufzuwerfen, wo wir unsere Prioritäten setzen wollen. Alle zum Erfolg und Misserfolg von aula beitragenden Faktoren sind mit denen von Partizipation an Schule im Allgemeinen identisch. Es hängt somit in erster Linie nicht vom Konzept ab, sondern von der Priorisierung. Wenn aula-Stunden nicht stattfinden, liegt das nicht daran, dass Lehrende gegen aula oder Mitbestimmung sind, sondern dass Fachunterricht oder andere Aufgaben bei ihnen eine höhere Priorität erhalten. Und genau das gilt es immer wieder zu diskutieren.

Einen weiteren Erfolg von aula sehe ich in der erhöhten Wahrnehmung der SMV (Schülermitverantwortung, in anderen Bundesländern auch SV bzw. Schülervertretung) im Kollegium, durch die Posts und Debatten im und außerhalb des Netzes. Das hat dazu geführt, dass Ideen, an welcher Stelle und wie man die Schülerschaft beteiligen kann, auch immer mehr von allen Lehrer_innen bedacht und formuliert werden.

NEUES JAHR, NEUES GLÜCK

Im zweiten Schuljahr startet aula mit einem neuen Anreiz. Über eine Crowdfunding-Aktion wurden zwischen Februar und April ca. 3400€ gesammelt, die nun für Projektideen eingesetzt werden dürfen. Erste Ideen hat Marina Ende September mit den Stufenversammlungen (Klassen 5/6, Klassen 7/8 und Klassen 9/10) gesammelt. (Hier hat die Badische Zeitung darüber berichtet.) Beim letzten Schul-Barcamp (Hier gibt es einen Beitrag vom ersten Barcamp.) gab es eine Session zum aula-Projekt, bei der folgende Verbesserungsvorschläge und Pläne bezüglich der Umsetzung gemacht wurde:

  • Konkrete Aufgaben für die aula-Stunden sollen ausgetauscht werden (z.B. Pro- und Kontra-Argumente aufbauen, Analyse der bisherigen Kommunikationskultur und Lösungsansätze bei Problemen gemeinsam entwicklen, zielführende Kommentare üben).
  • aula im Fachunterricht (zusätzlich zur aula-Stunde) integrieren. Hierfür sollen das Kollegium nach Schnittpunkten suchen.
  • Smartphones der Schülerschaft zu Beginn des Monats nutzen (Flat noch vorhanden), um sich den Gang zum PC-Raum zu sparen.
  • aula-Plakate in allen Schulräumen aufhängen, die jede Phase einer Idee bis zur Umsetzung visualisieren.
  • aula muss nicht im PC Raum thematisiert werden. Eine Idee herausgreifen und gemeinsam ausbreiten (fehlende Fragen und Antworten usw.) und mit/ohne Beamer allen zeigen, was 
gerade auf dem Tisch liegt.

Screenshot aula FreiburgEnde letzter Woche hat die knapp 30-köpfige Schülervertretung auf der SMV-Hütte geplant, aula noch stärker zu etablieren. Den Anfang haben sie mit drei Ideen, die sie gleich bei aula gepostet und via Snapchat beworben haben, und einer neuen Taktik gesetzt: Meine fünf Stimmen. Der Plan ist es, dass jede_r der 30er-Gruppe mindestens fünf Mitschüler_innen zum Voten motiviert und so die einfache Mehrheit für Ideen erreicht wird. Ob und wie gut das funktioniert, wird sich zeigen. Zumindest bin ich nach dem dreitägigen Aufenthalt mit dem SMV-Team wieder voll motiviert, daran zu arbeiten, dass Partizipation noch besser gelingt.

Dieser Text ist ein Crosspost von Dejan Mihajlovic und  wurde zuerst hier veröffentlicht.

Bilder: politik-digital e.V.; © Dejan Mihajlovic; Screenshot aula


  • Neues aus Jena

Sonne und Wolken über Jena

Jena

Die Jenaplan-Schule in der zweitgrößten Stadt Thüringens hat schon auf dem Papier die besten Voraussetzungen für das Projekt aula. Als wir im Schuljahr 2016/17 als Team an die gut ausgestattete Schule im Westen von Jena kamen, waren wir beeindruckt von dem, was wir vorfanden: eine sehr aktive und politisch interessierte Schülerschaft, große Gestaltungsmöglichkeiten und SchülerInnen die bei einer kreativen und freien Entfaltung unterstützt werden. Die ersten Einführungs-Workshops in den Klassen lösten kleine Begeisterungsstürme in uns aus. Unser Input wurde aufgenommen, reflektiert und direkt diskutiert. Schnell formierte sich eine ModeratorInnen-Gruppe, die über den aula-Vertrag sowie die Implementierung im Schulleben verhandelte und erste Pläne schmiedete.

Leider geriet das Projekt in Jena nach den Einführungsworkshops relativ schnell ins Stocken. Woran das lag? Wie in Schulen so üblich, hatte es verschiedene Gründe: Zum einen ebbte die Motivation beim ModeratorInnen-Team etwas ab. Zu wichtig waren Punkte wie Referate, Klausuren, Herbstferien und der ganz normale Schulalltag. Zum anderen vergaßen die ersten SchülerInnen ihre Passwörter (ein schulübergreifendes Problem, was wir auch hier auf dem demokratie.io-Blog bereits thematisierten. Ein weiterer Faktor waren die bereits sehr etablierten demokratischen Beteiligungsstrukturen der aktiven Schülerschaft. Vielen SchülerInnen (und vor allem auch LehrerInnen) wurde nicht klar, welchen Mehrwert aula über ihr bestehendes (funktionierendes) System hinaus bietet. Durch den Unterricht in Stammgruppen und die vielen verschiedenen Projekte (z.B. der „SchülerFAIRma“), war es für aula nicht leicht sich als ergänzendes Projekt zu etablieren.  Auch das Arbeiten mit digitalen Medien war in Jena bisher nicht besonders stark in den Unterricht integriert, wird sogar teilweise eher kritisch gesehen.  Die Organisation der Schülerbeteiligung über eine Online-Plattform wie aula wurde daher insgesamt weniger als Lernprozess und eher als zusätzliche Arbeit wahrgenommen.

Das Crowdfunding als Motivationsschub

Im Frühjahr 2017 haben wir als aula-Team für alle vier Pilotschulen ein Crowdfunding auf gemeinschaftscrowd.de gestartet. Als zusätzlichen Motivationsschub wollten wir den SchülerInnen damit eine Möglichkeit geben, eigene Ideen in die Tat umzusetzen und gleichzeitig nicht an eine Finanzierung denken zu müssen bzw. eine Teilfinanzierung bereits sicher zu haben. Die Jenaplan-Schule erreichte das Crowdfundingziel von 1.500€ bereits nach wenigen Wochen (zum Crowdfunding-Video von Jena geht es hier). Zwar sprach sich bei den Schülerinnen und Schülern schnell herum, dass sie Geld zur freien Verfügung bekommen sollten, aber nicht, inwiefern das nun mit aula gemacht werden sollte und wie die nächsten Schritte waren. Daher verpuffte der gewünschte Effekt relativ schnell wieder.

Neues Schuljahr, neues Glück?

Im neuen Schuljahr fand sich eine neue ModeratorInnen-Gruppe zusammen,  ein Team aus SchülerInnen, was gleichzeitig Herzstück sowie Motor für aula an der Schule ist. Mit Maxim (11. Klasse) fanden wir sogar den ersten Schüleradministrator, der – mit dem Vertrauen der Schulleitung – seither aula auch administrativ begleitet und für uns einen außerordentlich guten Ansprechpartner darstellt. Das neuformierte aula-Team entschied sich für einen „Neustart“ an der Schule. Damit wirklich alle (wieder) Zugang zur Plattform bekommen, entwickelte die ModeratorInnen-Gruppe gemeinsam mit der Schulleitung einen Plan: Am Anfang des Schuljahres liefen sie immer montags durch die sogenannten „Morgenkreise“ und halfen den SchülerInnen ihre Passwörter zurückzusetzen und sich einzuloggen. Das sollte ebenfalls die SchülerInnen daran erinnern, dass das Projekt aula noch läuft.

Schülerinnen und Schüler bei der aula-Feier im November

Schülerinnen und Schüler bei der aula-Feier im November

Um den erneuten Auftakt von aula feierlich zu zelebrieren, entschied sich das ModeratorInnen-Team am 13. November vergangenen Jahres eine sogenannte „aula-Feier“ zu organisieren. Dafür wurde die schuleigene Turnhalle bestuhlt und die gesamte Schülerschaft (4.-13. Klasse) an einem Montagvormittag zusammen getrommelt. Als weichen Einstieg zeigten die ModeratorInnen den 3sat-Beitrag „Update für die Demokratie“, der sich teilweise mit einer aula-Stunde an der Jenaplan-Schule befasst. Danach konnten SchülerInnen, die eine Idee für das gesammelte Crowdfundinggeld hatten, vor der gesamten Schülerschaft ihre Ideen präsentieren. Von einem schulinternen Pizzadienst bis zu einer Überdachung für den Fahrradständer – die SchülerInnen stellten ihren MitschülerInnen vor, was sie bereits ausgearbeitet hatten und wo sie vielleicht noch Hilfe bräuchten.

Am gleichen Tag gaben wir als Team interessierten LehrerInnen einen aula-Workshop, um ihnen zu zeigen, wie aula in den Unterricht eingebunden werden kann. Die Hoffnung war, dass damit die bisher wenig aktive Lehrerschaft mit ins Projekt geholt wird. Leider tauchten nur wenige LehrerInnen auf und der Workshop glich einem Tropfen auf den heißen Stein.

Bisherige Strukturen als Hindernis für aula?

Die größte Herausforderung für aula in Jena sind ironischerweise die bereits bestehenden demokratischen Strukturen. Im reformpädagogischen Konzept der Jenaplan-Schule sind demokratische Elemente wie Abstimmen bereits verankert. SchülerInnen, Schulleitung und LehrerInnen haben oft ein sehr gutes Verhältnis, weswegen Ideen und Wünsche beispielsweise direkt an die Schulleitung getragen und auch zum Teil auch schnell umgesetzt werden können. Deutlich wurde das zum Beispiel an dem Vorhaben „schulinterner Pizzadienst“. Die Idee dafür kam über aula auf und wurde bei der aula-Feier der kompletten Schülerschaft präsentiert. Da die Idee kostenneutral ist (die Pizza wird von den SchülerInnen selbst finanziert), gab der Schulleiter sein Okay für eine Testphase. Die Idee kam also auf der aula-Plattform auf, wurde dann aber über den “schnellen Dienstweg” – also einem Gespräch mit dem Ideengeber und der Schulleitung – umgesetzt und musste nicht erst die einzelnen Phasen (auf aula) durchlaufen. An dieser Stelle hätte die Schulleitung im Sinne der Integration von aula testweise den vermeintlich “längeren” Weg durch die aula Phasen gehen können. Das Ergebnis beider Wege ist am Ende natürlich das gleiche: die SchülerInnen haben nun einen Pizzadienst. Was wäre also mit aula anders gelaufen? Neben dem Experimentcharakter und dem vielleicht entstandenen Gewöhnungseffekt einer über aula organisierten Entscheidung, hätte es verschiedene weitere Schritte bis zur Entscheidungsfindung gegeben. Die Idee hätte unter Beteiligung weiterer SchülerInnen ausgearbeitet werden müssen, SchülerInnen hätten kritische Fragen zu ihr sammeln müssen, sie hätten Mehrheiten organisieren und dabei teilweise verhandeln müssen. Das alles, didaktisch eingerahmt und begleitet, führt nicht nur zum Ergebnis eines Pizzadienstes, sondern vor allem zum Erwerb von Fertigkeiten in der demokratischen Arbeit mit digitalen Medien. All das fällt auf dem sogenannten “kurzen Dienstweg” weg oder findet in jedem Fall nicht strukturiert und über aula dokumentiert statt.

Einschätzung von außen: Was sagt der Schulverbund “Blick über den Zaun”?

Mitte März besuchte ein Arbeitskreis des Schulverbunds „Blick über den Zaun“ (BüZ) die Jenaplan-Schule um im Auftrag der Schulleitung herauszufinden, warum aula in Jena nicht so richtig Fuß fasst. Wir waren ebenfalls vor Ort, um die Expertise der angereisten Lehrerinnen und Lehrer mitzunehmen. Das Resultat war für uns nicht überraschend. Die BüZ-LehrerInnen sahen neben bestehenden Strukturen keinen wirklichen Bedarf für aula und sogar eine zusätzliche (zeitliche) Hürde, wenn die SchülerInnen ihre Ideen auf die Online-Plattform stellen müssten. Ein Argument, das dann Sinn macht, wenn man nicht den didaktischen Rahmen zum Ausbilden gewisser Kompetenzen als langfristigen Mehrwert in die Betrachtung mit einbezieht. In dem Zusammenhang ist es verständlich, dass eine Veränderung des bisherigen Systems als zusätzliche Arbeit wahrgenommen und die bisherige “funktionierende” Beteiligungsstruktur als ausreichend erachtet wird.

Gleichzeitig – und das ist für uns auch interessant – sah der Arbeitskreis es als Problem an, dass aula keinen festen Platz in der Schulstruktur inne hat. Die BüZ-LehrerInnen sprachen sich dafür aus, dass beispielsweise Großprojekte, die die ganze Schule betreffen (wie den Fahrradständer), über aula diskutiert und abgestimmt werden könnten.

Was wir als Projektteam mitnehmen

Wir wollen mit aula nicht bereits funktionierende Strukturen ersetzen. Für manche Schule ist aula ein komplettes Beteiligungskonzept, für andere eine (digitale bzw. zeitgemäße) Ergänzung, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, ihr eigenes Schulumfeld leichter zu gestalten. Für alle ist es in jedem Fall ein Möglichkeit zum Ausbilden und Vertiefen gewisser Fähigkeiten aus dem medialen und demokratischen Kompetenzspektrum. As Verbindung digitaler und demokratischer Bildung kann aula einerseits eine Heranführung an sinnvolle Nutzung von Onlinemedien sein, andererseits SchülerInnen ermächtigen, auch den Wandel und die Digitalisierung zeitgemäßer Schule mitzugestalten. Für ein erfolgreiches Projekt fehlte in Jena sicherlich der Raum bzw. die Zeit für aula, vielleicht auch in den Unterrichtsstunden. Zeit ist das eine Gut im Lebensraum Schule, das wahrscheinlich niemals genug vorhanden sein wird. Dennoch ist es essentiell, um das Projekt am Laufen zu halten. Um Kompromisse zu finden oder Ideen ausarbeiten zu können, muss diskutiert werden – nicht nur online, sondern besonders im Schulhaus selbst.

Während einige LehrerInnen an anderen Schulen Sorge vor einem Wandel der Schulkultur durch aula haben, durch den SchülerInnen mehr Verantwortung kriegen und schwieriger zu kontrollieren sind, war diese Frage von demokratischer Kultur in Jena kein Problem. Hier haben wir eher versäumt zu betonen, welche Vorteile gerade eine digitale Repräsentation demokratischer Prozesse bringen kann: für das Erlernen von Medienkompetenz, für die zeitgemäße demokratischer Arbeit, für Transparenz und Strukturierung des Prozesses und für die Inklusion von SchülerInnen, die sich lieber schriftlich ausdrücken, als mündlich.

Natürlich ist aula ein Konzept, welches den SchülerInnen Verantwortung beibringt. Dennoch ist es wichtig sie kontinuierlich zu begleiten, zu motivieren und Verantwortung selbst vorzuleben, damit ein solches Vorhaben nachhaltig Erfolg hat. Wir müssen daher versuchen, wirklich alle Beteiligten im Lebensraum Schule mit ins Boot zu holen und sie in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

Vier Learnings für uns als Projektteam:

  • Schulen sollten von vornherein mitdenken, an welchen Stellen aula in ihren Schulalltag integriert werden kann
  • Wir müssen klarer herausstellen, was der Mehrwert der Nutzung einer digitalen Plattform zur Beteiligung gegenüber der bisherigen Strukturen mit analogen Abstimmungen ist
  • Wir müssen genauer herausarbeiten, wie Lehrerschaft von aula (in ihrem Unterricht) profitieren kann
  • aula-Material (Plakate, eLearning, Unterrichtseinheiten etc.) erweitern, damit Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler einfacher mit aula arbeiten können

Titelbild: Jena via Pixabay, Geisteskerker, CC0, bearbeitet. Beitragsbild: Daniel Schumacher CC BY 2.0

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  • Neues aus Hamburg

Aula in Hamburg: Herausfordernde Strukturen und kreative Ideen

Wie jede Schule bringt auch die Stadtteilschule am Hafen in Hamburg einige Besonderheiten mit sich, die bei der Umsetzung von Projekten wie aula relevant sind. Die Stadtteilschule hat drei Standorte: einen in Hamburg Neustadt und zwei in St. Pauli. aula wird aktuell nur von der Oberstufe genutzt, die als eigener Standort in einem modernen (von der Schule gemieteten) Neubau untergebracht ist. Das Gebäude, das direkt neben dem legendären St. Pauli Millerntor-Stadion liegt, teilt sich die Stadtteilschule mit einem Wirtschaftsgymnasium und einer beruflichen Schule. Das führt zum einen dazu, dass die Schülerinnen und Schüler wegen der privaten Trägerschaft keinen EInfluss auf die baulichen und dekorativen Maßnahmen nehmen dürfen. Zum anderen sind nicht alle Schülerinnen und Schüler, die sich eine Pausenhalle, einen Schulhof und andere Räumlichkeiten teilen, mit aula vertraut.

Dazu kommt die Zusammensetzung der Schülerschaft. Manche der Schülerinnen und Schüler sind noch nicht allzu lange in Deutschland. Einige stammen aus Ländern mit weniger demokratischen oder offen diktatorischen Systemen. Manche der Schülerinnen und Schüler sprechen schlechter deutsch als andere, ein paar äußern sich positiv über Diktatoren. Wie wir gehört haben, ist ein ehemaliger Schüler als IS-Kämpfer nach Syrien gegangen und dort gestorben. Auch wenn all diese Dinge die Schule natürlich beeinflussen und spezifische (auch herausfordernde) Situationen schaffen, ist das nicht in erster Linie der Grund für die besondere Langwierigkeit, mit der das Projekt dort anläuft.

Nach den ersten Schulungen der beteiligten Akteurinnen und Akteure sind zwar inzwischen sehr viele Ideen im System, von denen allerdings noch keine genug Unterstützung gesammelt hat, um in die nächste Phase zu kommen. “Kann es wirklich sein, dass da noch keine einzige Idee auf dem Tisch ist?”, fragt uns ein Schüler der neuen 11er Klassen beim letzten Schulbesuch Mitte Oktober. “Ja das stimmt. Jetzt überlegen wir mal, wie wir das ändern könnten.”

Positive Verstärkung und Selbstwirksamkeit

Wie an keiner anderen Schule haben wir in Hamburg erlebt, wie wichtig es ist, die aufkeimenden Ideen und Initiativen der Schülerinnen und Schüler positiv zu verstärken. Dazu gehört, ihre Ideen ernst zu nehmen und ihnen kontinuierlich zu vermitteln, dass sie in der Lage sind etwas zu bewegen, ihr Verhalten zu reflektieren und wenn nötig zu verändern. Das hat auch mit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu tun und der Annahme,  dass positive Erwartungen in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten dabei helfen, Aufgaben tatsächlich zu bewältigen.

So scheint an der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg aktuell kein besonders hohes Maß an Mitbestimmungspraxis der Schülerinnen und Schüler zu geben. Es gab seit einigen Jahren keinen Abiball und auch sonst scheinen Ideen, die bisher im Raum standen, oft daran gescheitert zu sein, dass am Ende niemand die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen wollte.  Auf diese Ausgangssituation gibt es zwei Perspektiven. Entweder “hier ist es besonders schwer, aula zu etablieren” oder “hier könnte aula einen tiefgreifenden Wandel in der Schulkultur hervorrufen”.

Aus unserer Sicht können schwierige Strukturen oder eine nicht funktionierende Beteiligungspraxis eine sehr gute Motivation sein, um mit aula jene Infrastruktur zu schaffen, die bisher nicht da war. Die Schulkultur zu erreichen und zu verändern, und nichts geringeres ist mit aula möglich, erfordert dabei aber nicht nur Durchhaltevermögen bei allen Beteiligten sondern vor allem auch die richtige Haltung.  Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass aula kein “tool” ist, in das vorne was hinein gekippt wird, was dann als fertiges Produkt wieder herauskommt. Wenn die Dynamik, die aula erzeugen kann, nicht entsprechend begleitet wird, werden alle Bemühungen und Ideen im Keim erstickt.

Raucherhäuschen und Smartboardunterricht

An kreativen Ideen mangelt es den Hamburger Schülerinnen und Schülern wahrlich nicht. Als wir Mitte Oktober die neuen 11ten Klassen schulten und erste Vorschläge für Ideen sammelten, die mit dem aula-Crowdfunding finanziert werden können, hören wir sehr praktische und teils auch erstaunliche Vorschläge. Bemerkenswert war die Idee eines Schülers, das Geld doch einfach an eine andere Schule zu spenden, die das nötiger hat als sie selbst: “Denn hier ist eigentlich alles ziemlich cool.”

Ein kollektives Anliegen, das uns auch schon letztes Jahr immer wieder begegnet ist, ist ein abgetrennter Raucherbereich. Aktuell befindet der sich nämlich neben dem Eingang und alle müssen ständig an den Rauchschwaden vorbei. Hier findet sich auch gleich die praktischste Idee für das Crowdfunding. Eine Schülerin schlägt vor, die Materialien für das überdachte Raucherhäuschen (Man einigte sich darauf, dass die Raucher nicht im Regen stehen sollten) gleich im Baumarkt zu besorgen und loszulegen. “Das können wir selber machen, ist billiger und macht Spaß.” Wie eingangs erwähnt, wird sich dieser schöne Vorschlag aber wahrscheinlich nicht umsetzen lassen, da die  solche “baulichen” Maßnahmen nicht erlaubt, wie auch im aula-Vertrag festgehalten wurde.  Positiv an der Diskussion solcher Vorschläge ist aber, dass sie immer wieder die aktuellen Regeln und Strukturen einer Schule transparent macht. So wird ein Bewusstsein für die eigene Umgebung und die Möglichkeit geschaffen darauf Einfluss zu nehmen. Und wer weiß, ob sich die strenge Gebäudeordnung nicht doch noch irgendwann verändern lässt?

Eine weitere Idee, die von der Klasse mit kollektiver Zustimmung bedacht wurde, lautete, von den rund 3.000 Euro des Crowdfundings “Smartboardunterricht” für die Lehrerinnen und Lehrer zu finanzieren. “Die fragen uns immer, wie das geht, und verstehen selbst gar nichts und dann sind die beleidigt, wenn wir das nicht können oder wollen”. Auch hier werden wieder Verhältnisse sichtbar gemacht, die vielleicht ein wichtiger Anstoß sein können für nachhaltige und notwendige Veränderungen an der Schule. Ob diese Idee umgesetzt wird, wissen wir in ein paar Wochen.

Bist du an einer aula-Schule? Hier entlang zu deiner Plattform!

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